Zum Tod von Hans Rosling

Redaktion, 09. Februar 2017

Der Arzt und Statistiker Hans Rosling ist mit 68 Jahren an Krebs gestorben. Er war ein Vorreiter der positiven Kommunikation und verstand es, die Sicht auf Entwicklungsländer auf der Basis von Zahlen neu zu definieren.

Wenn er sprach, hörten die Menschen zu. Und lachten auch mal. Hans Rosling, der schwedische Arzt, der in Stockholm eine Professur für internationale Gesundheit innehatte und sich selbst als Edutainer bezeichnete, wusste, wie man Geschichten erzählt. Und Menschen fesselt.

Hans Rosling befasste sich mit trockener Statistik und erreichte mit seinen Vorträgen über die Zusammenhänge zwischen Wohlstand und Gesundheit ein Millionenpublikum – auch dank sozialen Netzwerken und der Ideen-Verbreitungs-Plattform TED. Sein Anliegen: Die durch Vorurteile geprägten Bilder über Entwicklungsländer zu differenzieren. In einem seiner legendären Referate erklärte er zum Beispiel gestikulierend und atemlos vor animierten statistischen Grafiken, dass sich Lebenserwartung und Anzahl Kinder pro Frau in den meisten Entwicklungsländern seit den 60-er-Jahren in Richtung der westlichen Industrieländer verschoben haben: „Langes Leben, kleine Familie – wir haben eine komplett neue Welt.“

Und dass Studierende schlechter einschätzten als Schimpansen, in welchem Land die Kindersterblichkeit besonders hoch sei – alleine wegen ihrer vorgefestigten Ideen. Die Lacher hatte er auf seiner Seite. Aber auch kritische Stimmen gegen sich: Er sei populärwissenschaftlich und ein Schönredner, der uns im Norden das schlechte Gewissen nehmen wolle. Dabei stützte sich Rosling auf verlässliche Berichte internationaler Organisationen und wollte vor allem eines: Wegkommen vom „typisch westlichen Blick“ auf Entwicklungsländer, wegkommen vom pessimistisch-destruktiven Vorurteil, wonach alles immer schlechter werde und ganze Kontinente im Elend versumpften.

Diese Woche starb Hans Rosling mit 68 Jahren in Uppsala. Seine optimistische Sicht auf die Welt lebt weiter; nicht zuletzt dank seiner vor elf Jahren gegründeten Organisation Gapminder, die dafür sorgt, dass nicht nur dramatisch-negative Stories über die Entwicklungen auf dieser Welt einen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung erhalten, sondern eben auch solche, die zuversichtlich stimmen und motivieren, uns weiterhin für weniger Privilegierte einzusetzen.

Als Impulsgeber und Vorreiter der positiven Kommunikation betreffend Entwicklungszusammenarbeit spielt Hans Rosling auch für Helvetas eine wichtige Rolle. Die aktuelle Kampagne bricht mit dem gängigen Narrativ, wonach es den Menschen im globalen Süden unverändert schlecht geht, und rückt die positive Veränderung ins Zentrum.

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