Wie läuft der Wiederaufbau in Nepal?

Kathrin Krämer, 02. November 2016
Wie läuft der Wiederaufbau in Nepal?

Seit unserem letzten Zwischenbericht im April ist viel passiert. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, den Gemeinden und lokalen Firmen sowie den beiden Hilfswerken Solidar Suisse und Caritas Schweiz sind wir in Nepal in folgenden Bereichen tätig: Ausbildung von Handwerkern, Häuserbau, Reparatur und Ausbau von Trinkwasserversorgungen und Latrinen, Wiederaufbau von Schulen und wirtschaftliche Aufbauarbeit.

 

WIEDERAUFBAU VON HÄUSERN UND TRINKWASSERVERSORGUNG
Das Projektteam hat acht Instruktoren rekrutiert, die im Ausbildungsprojekt von Helvetas ausgebildet worden waren. Diese Instruktoren haben 39 Trainings durchgeführt und dabei 299 lokale Handwerker ausgebildet: 76 für Schreinerarbeiten, 205 für Maurerarbeiten und 18 für beide Bereiche. Im Rahmen der Ausbildung haben die Bauequipen bereits 16 Häuser fertiggestellt, 26 befinden sich aktuell im Bau.

Inzwischen sind rund 700 Familien für den Wiederaufbau ihrer Häuser identifiziert und entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen. Das Ziel ist, bis Ende Jahr rund 150 Häuser fertigzustellen.

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Im Wasserbereich hat Helvetas den Bau oder die Sanierung von 23 Trinkwassersystemen priorisiert. Das Projektteam hat dazu zunächst 22 Nutzerkomitees gebildet oder reaktiviert und geschult. Die Nutzerkomitees beteiligten sich anschliessend an der Ausarbeitung der jeweiligen Pläne für die 23 Trinkwassersysteme.

18 Detailpläne sind bereits fertiggestellt und die Bauarbeiten für 13 Anlagen sind im Gang. Die Nutzerkomitees engagieren sich aktiv bei der Umsetzung der Pläne, organisieren die Beschaffung von lokalem Material sowie öffentliche Veranstaltungen, damit die Bevölkerung über alle Pläne transparent informiert ist.

Das Projekt hat weiter bereits 23 lokale Handwerker ausgebildet für den Unterhalt und die Reparatur der Wassersysteme und 108 Mitglieder von Wasser- und Hygienekomitees darin geschult, Bauarbeiten im Wasser- und Hygienebereich zu überwachen. Schliesslich hat das Team auch 21 Handwerker im Bau von Latrinen ausgebildet.

Um die notwendigen Hygieneveränderungen (z.B. die Nutzung von Latrinen, Händewaschen) zu erreichen, hat Helvetas Ausbildner für die soziale Vermittlung über Hygiene und Gesundheit geschult. Zudem wurden Poster, Bildtafeln und Radiosendungen entwickelt und abgegeben, um die Zusammenhänge zwischen Wasser, Hygiene und Gesundheit zu erklären. Beim Wiederaufbau von Häusern und der Trinkwasserversorgung arbeitet Helvetas mit Solidar Suisse zusammen.
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AUSBILDUNGSPROJEKT EMPLOYMENT FUND
Bislang hat Helvetas 1229 Handwerker ausgebildet, weitere 970 befinden sich derzeit noch in der Ausbildung. Per Ende August waren im Rahmen der Ausbildungen oder anschliessend bereits über 600 Häuser fertiggestellt.

Das Projekt ist überaus erfolgreich: Die nationale Wiederaufbaubehörde hat das Ausbildungsmodell inzwischen adoptiert und in ihre Standards aufgenommen. Weiter hat Helvetas private Unternehmen darin ausgebildet, solche Schulungen anzubieten, sodass auch weitere Organisationen und Projekte profitieren können. Viele Menschen rund um die Ausbildungsorte kopieren die Baumodelle oder engagieren die ausgebildeten Handwerker bereits für ihre eigenen Häuser.

Weil das Pilotprojekt sehr gut angelaufen ist, hat die britische Direktion für Internationale Entwicklung Helvetas nun mit der Ausbildung von 7000 zusätzlichen Handwerkern und Fachleuten in 11 Distrikten beauftragt.

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WIEDERAUFBAU ERDBEBENSICHERER SCHULEN
Der Wiederaufbau von 34 sicheren und kinderfreundlichen Schulen in Zusammenarbeit mit Caritas hat mit dem Bau von 5 Pilotschulen begonnen. Diese werden bis Ende Jahr fertig gebaut sein, anschliessend folgen die weiteren.

Helvetas hat die Pläne für 5 Wasser- und Sanitäranlagen finalisiert. Die Bauarbeiten für die Wassersysteme in zwei Schulen sind bereits im Gang. Um die Wasserqualität zu gewährleisten, werden Filteranlagen installiert.

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WIRTSCHAFTLICHER WIEDERAUFBAU IN SINDHUPALCHOK
1742 der verletzlichsten Familien aus 5 Dorfgemeinden haben bislang umgerechnet je 225 Franken erhalten,
um verlorene Geräte, Werkzeuge oder Nutztiere zu ersetzen. Im ganzen Prozess werden die Familien durch die Kooperativen oder Dorfkomitees unterstützt und beraten. Die restlichen rund 600 Familien werden bis spätestens Ende Jahr ihre Auszahlung erhalten.

Damit die Bauernfamilien auf ihren Feldern wieder ausreichend produzieren können, müssen die beschädigten Bewässerungssysteme instand gestellt werden. Das Projekt hat gemeinsam mit den Gemeinden und Dorfkomitees 5 prioritäre Bewässerungssysteme ausgewählt und zusammen mit den gebildeten Nutzerkomitees Detailpläne erstellt. Die Nutzerkomitees wurden geschult und haben bereits einen Fonds für den Unterhalt geäufnet. Die Bauarbeiten sind inzwischen zu rund 65% durchgeführt.

Inzwischen hat Helvetas ein Folgeprojekt lanciert, um weitere 35 Bewässerungssysteme für 3300 Bauernfamilien zu rekonstruieren. Zudem sollen 25 wasserbetriebene Getreidemühlen instand gestellt und vor Naturgefahren geschützt werden. Schliesslich unterstützt Helvetas auch den Wiederaufbau eines landwirtschaftlichen Beratungszentrums und verbessert das staatliche Beratungssystem durch private Berater.

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WIEDERAUFBAU KAFFEEPRODUKTION
11 Verarbeitungszentren wurden bereits wiederaufgebaut und 29 befinden sich im Bau. Bis Ende Jahr sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Die Einrichtung der Baumschulen für die Setzlingszucht von Kaffeesträuchern, Wassersammelbecken, die Entfleischungsmaschinen mit Elektromotor und die Trocknungstische sind im Gang und werden voraussichtlich bis Ende Jahr abgeschlossen. Von diesem Projekt profitieren insgesamt rund 2000 Bauernfamilien, die biologischen Hochlandkaffee anbauen.

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WIEDERAUFBAU VON HÄNGEBRÜCKEN
62 Brücken sind bereits instand gestellt,
die Bauarbeiten für 6 weitere Brücken sollten spätestens Anfang 2017 fertiggestellt sein. Damit erhalten die Menschen wieder sicheren Zugang zu Märkten, Schulen und Gesundheitszentren.

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Finanziert werden die vielfältigen Projekte durch die Unterstützung von privaten Spenderinnen und Spendern, Stiftungen, Firmen, Gemeinden, Kantonen, dem Bund und der Glückskette.

Autor

Kathrin Krämer

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