Was halten Männer vom Internationalen Frauentag?

Jane Carter, 08. März 2016
Was halten Männer vom Internationalen Frauentag?

Heute vor einem Jahr sprach ich für meinen Blogpost mit Helvetas-Mitarbeitenden in Bolivien, Kosovo, Mosambik, Nepal und Vietnam darüber, wie der Internationale Frauentag in ihren Ländern gefeiert wird. Dieses Jahr fragte ich männliche Arbeitskollegen, was sie vom 8. März halten – aus einer persönlichen Sicht sowie in Bezug auf das, was uns als Organisation betrifft. Hier ist eine Auswahl ihrer Ansichten.

Warum nur ein Tag im Jahr?

Einige meiner Kollegen äussern sich kritisch zum Internationalen Frauentag wegen der Tatsache, einen einzigen Tag im Jahr zu haben, um Frauen anzuerkennen. Ihre Ansicht kann durch Ben Blumenthal, Co-Teamleiter Governance & Peace, zusammengefasst werden:

Der Kampf um Gleichheit zwischen Frauen und Männern sollte nicht auf eine eintägige Gedenkfeier beschränkt werden. Es sollte unsere Verantwortung sein, tagtäglich auf Geschlechterberechtigung hinzuarbeiten …“

Unter Umständen kann der Tag sogar Geschlechterstereotype bestärken – das glaubt zumindest Norbert Pijls, Project Manager Kosovo, wenn er daran denkt, wie der Tag in Kosovo begangen wird:

„Leider geht es (hier) nicht um die Verbesserung des Geschlechtergleichgewichts. Es geht um den Kauf von Blumen für die Mutter, Freundin, Frau oder Kollegin. Damit wird zum Geschlechter-Typecasting beigetragen.

Gründe zum Feiern

Die meisten der Befragten sind jedoch der Ansicht, dass der Frauentag zumindest eine gute Gelegenheit ist, um die Rolle von Frauen in ihrem persönlichen wie auch beruflichen Leben anzuerkennen. Christian Steiner, Markus Ischer und Bharat Pokharel – Landesleiter in Madagaskar, Kirgistan und Nepal – berichten von Feiern unter Mitarbeiterinnen im Büro. Balthasar Stammbach, Teamleiter Akquisition, erinnert sich an einen Frauentag in den frühen 2000er Jahren, als er in Haiti lebte:

„Die Frauenministerin kam vom fernen Port-au-Prince und sagte, dass es das erste Ereignis dieser Art in Haiti sei. Ungefähr 200 Frauen tauschten Erfahrungen, Herausforderungen, Misserfolge, Hoffnungen, Träume und konkrete Erfolge aus … Ein unglaublich gutes Ereignis, das auch grosse Auswirkungen auf einige in unseren Projektbereichen – darunter auch Männer – hatte, die merkten, dass dieses Thema ganz oben auf der Prioritätenliste steht …“

Hier einige weitere persönliche Beobachtungen:

 „Es ist ein Tag der Feier und des Nachdenkens über den Wandel in meiner Denkweise; darüber, wie ich Geschlechterungleichheit und Ungerechtigkeit wahrnehme.“ Bharat Pokharel, Country Director Madagascar

„Ich denke immer an meine verstorbene Mutter, die die meisten Hausarbeiten erledigte, obwohl sie eine Teilzeitbeschäftigung hatte. Dieses Muster ist heute selten zu finden, die unbezahlte Pflegearbeit ist im dänischen Haushalt normalerweise ausgeglichen verteilt. Es sind aber immer noch Fortschritte möglich …“ Jesper Lauridsen, Senior Advisor Governance

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Eine Rechtsperspektive

Einige richten ihr Augenmerk auf die Bedeutung des Tages im Rahmen von Bürgerrechtsbewegungen:

Der 8. März 1965 markiert einen Wendpunkt in der Bürgerrechtsbewegung: Eine friedliche Demonstration in Washington verwandelte sich in einen schlimmen Zusammenstoss zwischen Demonstranten und der Bereitschaftspolizei … Genauso wie Bürgerrechte uns wichtig sind, ist es auch die Gleichberechtigung der Geschlechter. Es ist ein Tag, den wir auf eine sinnvolle Art und Weise begehen sollten.“ Matthias Herr, Co-Team Leader Eastern Europe

„In den Jahren nach 1968 – in meinen Jugendjahren – waren Geschlechterfragen eine Art Nebeninteresse. Das Hauptthema des Protests war die Machtdynamik der kapitalistischen Arbeiterklasse. Rückblickend denke ich, dass der Fortschritt in Geschlechterfragen die wichtigste Errungenschaft der 1968-Bewegung ist.“ Hanspeter Bundi, Redaktor

Frauen in unseren Partnerländern

Die folgenden Beobachtungen aus der Realität unserer täglichen Arbeit sind ernster: aus Honduras zum Risiko, eine Führerin zu sein, und aus Bangladesch zur „Unsichtbarkeit“ von Frauenarbeit.

Aus Honduras äussert Erik Nijland, Senior Advisor Central America, seine Meinung: „Dieses Jahr wird die Ermordung von Berth Caceres zweifellos meine Gedanken beherrschen. Zwar ist sie nicht mehr unter uns, ihr Geist wird uns jedoch weiterhin inspirieren und ein Beispiel für zukünftige Generationen von Führern sein, welche den Kampf um eine gerechtere Gesellschaft fortsetzen werden.“ Berth Caceres wurde am 3. März in ihrem Haus ermordert.

Kaspar Grossenbacher, Country Director Bangladesh, beobachtet Folgendes: „In meinem letzten Bengali-Sprachunterricht habe ich gelernt, dass die weibliche Form des bengalischen Wortes für Bauer, kishani, nicht gebräuchlich ist; nur der Ausdruck krishak (Bauer) wird verwendet – welcher sich ausschließlich auf Männer bezieht. Auf der anderen Seite habe ich gelernt, dass der gesamte Prozess der Reisproduktion 22 Tätigkeiten erfordert, vom Säen von Rohreis bis hin zu dessen Beförderung nach Hause als Lebensmittel; von diesen 22 Tätigkeiten werden 17 von Frauen ausgeführt. Ich habe während meines Bengaliunterrichts auch gelernt, dass es einen Ausdruck für Haushaltsarbeit gibt (shangsharer kaj), welcher nicht nur die sich wiederholende Arbeit umfasst, sondern auch Tätigkeiten wie die Lagerung von Saatgut, das Trocknen des Reises, die Geflügelzucht etc. Demgegenüber steht eine neue Studie, welche erklärt, dass die meisten Frauen in Bangladesch ausserhalb des Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (SNA, System of National Accounts) bleiben, da sie weder Produkte auf den Markt bringen noch für ihre Arbeit bezahlt werden. Was in dieser Studie neu ist, ist die Feststellung, dass ein weibliches Mitglied eines (ländlichen) Haushalts an einem typischen Tag 12,1 Nicht-SNA-Tätigkeiten übernimmt. Die entsprechende Zahl beträgt für einen Mann 2,7!“

Vielen Dank an all meine Kollegen, die ihre Gedanken mit mir teilten.

Jane Carter
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Jane Carter

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