Treffen sich 20’000 Wasserexperten in Südkorea…

Marco Daniel, 13. April 2015
Treffen sich 20’000 Wasserexperten in Südkorea…

Am vergangenen Sonntag wurde das siebte Weltwasserforum im südkoreanischen Daegu eröffnet. Das Forum findet alle drei Jahre an einem anderen Ort der Welt statt (2012 war es in Frankreich und 2018 wird es in Brasilien stattfinden) und zieht fast 20‘000 hochrangige Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an, um gemeinsam über Lösungen zu den globalen Wasserherausforderungen zu reden. Es bleibt zu hoffen, dass die besten Lösungen dann auch umgesetzt werden. An der gestrigen Eröffnungszeremonie hat unter anderem auch die koreanische Präsidentin Park Geun-hye teilgenommen. Obschon die Tochter eines früheren Präsidenten in der koreanischen Bevölkerung nicht sonderlich beliebt ist, haben die Koreaner für ihre Präsidentin ein riesiges Sicherheitsdispositiv aufgeboten. Während ihrer Anwesenheit auf dem Messegelände wurde in diesem so technikbegeisterten Land sogar das Internet- und Mobilfunknetz gekappt.  Ein Foto konnte ich vom Schweizer Stand aus trotzdem schiessen.

© Helvetas

Park Geun-hye, die Präsidentin Südkoreas

Am ersten Tag der Konferenz wollen hochrangige Politiker die Ministerdeklaration des Weltwasserforums, welche in den vergangenen Monaten verhandelt wurde, offiziell kommentieren und dann verabschieden. Der Schweizer Delegationsführer Pio Wennubst ist „nur“ Vizedirektor der DEZA und darf deshalb die Schweizer Erklärung erst nach den Ministern verschiedener Länder vorlesen. Nichtsdestotrotz organisiert die Schweiz morgen eine hochrangige Konferenz, um dem derzeit verhandelten Nachhaltigkeitsziel Wasser mehr politisches Gewicht zu geben. Dazu werden Minister verschiedener Länder erwartet.

Mit der heute zu verabschiedenden ambitionierten Ministerdeklaration können wir sehr zufrieden sein, denn sie deckt die gesamte Bandbreite der globalen Wasserherausforderungen ab. Wie so oft bei solchen hochrangigen internationalen Treffen bedeutet eine ambitionierte Ministererklärung aber nicht, dass alle Probleme sogleich gelöst sind. So ist diese Absichtserklärung mitnichten gesetzlich bindend. Frühere politische Erklärungen, welche an Weltwasserforen verabschiedet wurden, waren zwar inhaltlich gut und ambitioniert, aber bei deren Umsetzung stehen viele Staaten hinten an. Helvetas setzt sich insbesondere für die Menschenrechte auf sauberes Trinkwasser und Siedlungshygiene ein. Wir erkennen zwar, dass diese Menschenrechte anerkannt werden. Uns fehlt aber die explizite Anerkennung, dass es für nachhaltig funktionierende Trinkwasser und Siedlungshygiene eben nicht nur Infrastruktur nötig sind, sondern auch Schulungen im Hygieneverhalten und dem sicheren Umgang mit Trinkwasser.

Neben diesem Prozess auf höchster politischer Ebene ist das Weltwasserforum aber auch ein Ort des inhaltlichen Austauschs. Wasserexperten und Entscheidungsträger präsentieren Lösungen, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln neue, bessere Projekte zur Lösung von Wasserproblemen. Als Helvetas Wasserexperte präsentiere ich heute auf dem Schweizer Stand am Beispiel von unseren Projekten im ländlichen Nepal, wie Dorfgemeinden selbst integriertes Wasserressourcen Management betreiben.

Dazu lanciere ich heute als Vorstandsmitglied der internationalen Koalition von über 280 Nichtregierungsorganisationen End Water Poverty unsere gemeinsame Position, wie Hygiene und sauberes Trinkwasser in den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) besser gemessen werden können. Hierfür fordern wir von den politischen Entscheidungsträgern, dass die UNO in Zukunft nicht nur Brunnen zählt (also reine Infrastrukturkriterien anwendet, um die Zahl derer zu bestimmen, die Zugang zu sauberem Trinkwasser haben). Sie soll auch Indikatoren für das Hygieneverhalten und der nachhaltigen Nutzung von Brunnen und Toiletten einführen (also Nachhaltigkeitskriterien und damit Hinweise darauf, wie viele Menschen effektiv sauberes Trinkwasser zur Verfügung haben). Es lässt sich nur hoffen, dass unserer guten Ideen und Inputs von anderen Entscheidungsträgern aufgenommen werden.

Und hier bin ich schon im Einsatz:

Marco Daniel
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