Qualitätsturbo

Hanspeter Bundi, 10. November 2015
Qualitätsturbo

In drei Jahren vom minderwertigen Kakao zum International Cocoa Award. Manchmal geht alles ganz schnell. Noch vor drei Jahren verkauften die Kakaosammler von Carmen del Emero, einem winzigen Dorf im bolivianischen Amazonastiefland, ihre Kakaobohnen zu Billigstpreisen an vorbeifahrende Händler. Es war ein einfacher, bitter schmeckender Kakao, der gerade gut genug war, um daraus eine billige Trinkschokolade herzustellen. Zwei Jahre später bewertete ein führender Schweizer Schokoladenhersteller die Bohnen aus Carmen del Emero als „guten, spannenden Kakao, mit sehr eigenständigem Aroma“. Er habe „das Potenzial zu einem Spezialitätenkakao“.

Vor einigen Tagen schliesslich konnte einer der Kakaosammler, Armando Yarari, in Paris den „International Cocoa Award 2015“ entgegennehmen, der jedes Jahr im Rahmen des Salon du Chocolat verliehen wird. In nur gerade drei Jahren hatten er und seine Kollegen gelernt, den Kakao fachgerecht zu fermentieren und aus den wildwachsenden Schoten einen ausgezeichneten, weltweit hervorragenden Kakao zu gewinnen.

Die Preisverleihung in Paris ist ein grosses Kompliment an die Kakaosammler und ‑sammlerinnen aus Bolivien. Ein Kompliment auch an Gabriela Sadud von Helvetas, die in Carmen del Emero gezeigt hatte, wie man die Kakaobohnen fachgerecht fermentiert und trocknet und so die vielfältigen Aromen hervorholt, die in der vermeintlich bitteren Bohne liegen.

Mittlerweile können die Familien in Carmen del Emero und in vier weiteren Regionen des Tieflandes ihren Kakao zu einem dreimal höheren Preis verkaufen. Er wird in Bolivien zu einer der gefragtesten Schokolade verarbeitet. „Der wilde Kakao kommt für uns zu einer idealen Zeit. Die Schoten sind dann reif, wenn keine anderen Arbeiten anstehen. Und der Erlös kommt genau dann, wenn das Schulgeld für unsere Kinder fällig ist.“


Die Dörfer der Kakaobauern – Carmen del Emero, Villa Fátima und andere – liegen zwar im Amazonastiefland, zehn Bootsstunden von der nächsten grösseren Stadt entfernt. Doch dank Helvetas und Globotrek ist es möglich, an ihrem Leben teilzuhaben und ihnen beim Sammeln des wilden Kakaos zu helfen. Eine Bolivienreise mit einem einwöchigen Aufenthalt bei den Kakaosammlern von Carmen del Emero oder von Villa Fátima wird zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Hanspeter Bundi
Autor

Hanspeter Bundi

kommentieren Sie DIESen Beitrag

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zeichen verfügbar 600 Antworten abbrechen

1 Kommentare zu «Qualitätsturbo»

  1. Ingold Ruth

    01. März 2016 um 18:38

    Habe soeben diesen Beitrag gelesen und den Film angeschaut und freue mich unglaublich, wieder mal 3-4 vertrauten Gesichter in Carmen del Emero zu begegnen. Ich war vor genau 2 Jahren an diesem wunderbaren Ort und diesen äusserst sympathischen Menschen. Bin z.Z. damit beschäftigt, ein Fotobuch über de Woche in Carmen del Emero zu erstellen und deshalb zufällig auf diese Seite gelangt. Ich freue mich ganz riesig zu hören, dass sie den „International Cocoa Award 2015“ entgegen nehmen durften. Herzliche Gratulation. Super – weiter so!
    Wärmste Grüsse Ruth Ingold, 5619 Büttikon

    Antworten