Erste Neuigkeiten von unserem Team in Sindhupalchok

Kathrin Krämer, 30. April 2015
Erste Neuigkeiten von unserem Team in Sindhupalchok

Mona Sherpa, die stellvertretende Programmdirektorin von Helvetas Nepal hat uns über Skype geschrieben: «The glory of life is in rising up after each fall and gearing up.» (Die Herrlichkeit des Lebens liegt darin, nach jedem Fall wieder aufzustehen und neu anzufangen).

Unsere Abklärungsteams, die in die stark vom Erdbeben betroffenen Distrikte Sindhupalchok und Gorkha aufgebrochen sind, haben ihr Ziel erreicht. Bikram Rana aus dem Sindhupalchok-Team, schreibt uns, wie tief betroffen sie sind von der Not, die sie vorfinden, und er schreibt auch vom Gefühl der Orientierungslosigkeit angesichts der riesigen Schäden in Dörfern, die sie aus ihrer früheren Arbeit kannten.

Sie seien auf ihrer Reise an Journalisten vorbeigekommen, die Gebäude filmen, die in Schutt und Asche liegen, und sie fragten sich, wie sich das wohl für die Leute anfühlt, die ihre Häuser verloren haben und die Filmenden dabei beobachteten.

An den Kontrollposten auf dem Weg drängten sich Menschen um das Fahrzeug in der Hoffnung auf Hilfsgüter. Aber das Team hatte die Aufgabe, nach Gyalthum, im Melamchi-Tal zu gelangen, manchmal mit Hilfe der Polizei. Hier konnten sie die Zeltplanen übergeben, die sie als eine erste Nothilfelieferung mitgebracht hatten. Der Schutz gegen das raue Wetter ist hochwillkommen; die Prognosen sagen, dass es bis Samstag regnen wird, was das Elend der Überlebenden noch vergrössert. Und das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Jeder weiss, dass der Monsun in etwa einem Monat einsetzen wird.

Bikram schreibt vom Gefühl der Solidarität mit den Menschen in Gyalthum und von der Erleichterung und Freude über das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern. Aber die Lage sei angespannt und es könnten auch Unruhen ausbrechen, wenn nicht bald weitere Lieferungen von Hilfsgütern eintreffen. Es herrscht so viel Not, und doch braucht alles seine Zeit. Es ist jetzt wichtig, den Leuten zu versichern, dass Hilfe unterwegs ist und die Ordnung aufrechterhalten bleibt.

Unsere beiden Teams achten darauf, ihre Initiativen mit dem zuständigen Distriktverantwortlichen, mit der Polizei und anderen lokalen Schlüsselpersonen zu koordinieren. Da wegen des Bürgerkriegs seit 1997 keine lokalen Wahlen stattgefunden haben, gibt es keine gewählten Volksvertreter – doch es gibt Leute, die als Autoritätspersonen anerkannt werden. Lehrer nehmen hier eine wichtige Rolle ein. Auf nationaler Ebene ist Helvetas auch in Kontakt mit dem Innenministerium und dem Verband der Internationalen NGOs AIN.

Eine erste Begutachtung hat ergeben, dass die Überlebenden in der Region am dringendsten Schutz und Obdach brauchen. Das Essen teilen die Menschen untereinander, aber weil so viele Häuser zerstört oder unbewohnbar sind, brauchen sie unbedingt eine Zuflucht.

Was das Team auch bereits feststellen musste: Die Mehrheit der Opfer scheinen Frauen zu sein. Tragischerweise ist es in Katastrophen wie dieser oft so, dass die Todesrate bei Frauen weit höher ist als bei Männern. In diesem Fall kann ein Grund dafür sein, dass mehr Frauen als Männer im Haus waren, als die Katastrophe hereinbrach, weil sie mit Kochen oder anderen Haushaltsarbeiten beschäftigt waren. Ein weiterer Grund kann sein, dass viele Männer schlicht abwesend waren, weil sie als Arbeitsmigranten in die Fremde gegangen sind. Für diese Männer, die oft in der Golfregion, Malaysia und anderswo arbeiten, muss es schrecklich sein, keine Nachricht von ihrer Familie zu haben.

Morgen werden wir hoffentlich auch von unserem Team in Gorkha hören.

Jane Carter

Kathrin Krämer
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Kathrin Krämer

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