Mutter sein in schwierigen Zeiten und die Solidarität der Gemeinschaft

Jane Carter, 20. Mai 2015
Mutter sein in schwierigen Zeiten und die Solidarität der Gemeinschaft

Am vergangenen Sonntag wurde in der Schweiz – und in einem Grossteil der westlichen Welt – Muttertag gefeiert. In Nepal gibt es ebenfalls einen besonderen Tag zu Ehren von Müttern und Mutterschaft, Mata Tirtha Aushi genannt, der auf den Neumond im April oder Mai fällt. In diesem Jahr lag dieser Tag nur eine Woche vor dem Erdbeben, weshalb er sehr wahrscheinlich vielen Menschen im Gedächtnis bleiben wird – als das letzte Familienfest, bevor sich ihrer aller Leben für immer veränderte.

Die Berichte, die uns über das Wochenende von unserem Team in Sindhupalchok erreichten, sind geprägt von gemeinschaftlichen Durchhaltebemühungen und von der Erkenntnis, dass gerade Mütter mit kleinen Kindern ganz spezielle Bedürfnisse haben. Das Bild oben wurde im VDC (Village Development Committee) von Palchok aufgenommen. Es zeigt drei junge Mütter – Namrata (22), Champa (30) und Sabina (28) Shrestha. Wie ihr gemeinsamer Nachname verrät, gehören sie derselben Gemeinschaft von Newars an. Jede von ihnen hat ein Baby unter 12 Monaten. Die örtlichen Bewohner einigten sich deshalb, dass ihnen die einfache Zufluchtsstätte (siehe Bild) zum gemeinsamen Wohnen vorrangig zusteht. Mit ihnen dort ist ihre Verwandte Laxmi Shrestha, die zur Zeit des Erbebens hochschwanger war und kurz danach ihr Kind zur Welt brachte.

Diese Zuflucht ist allerdings nur vorübergehend und bietet nur begrenzten Schutz vor dem Monsunregen, aber sie ist sehr viel besser als nichts. Alle vier Frauen sind froh, am Leben zu sein. Nicht alle ihrer Gemeinschaft hatten so viel Glück. Im VDC verzeichnete man insgesamt 16 Todesfälle. Dazu zählt auch eine Frau, die nur noch leblos aus den Trümmern ihres Hauses geborgen werden konnte, zusammen mit der Leiche ihres kleinen Kindes. Durch die Unterstützung von Helvetas erhielten Namrata, Champa, Sabina und Laxmi Blachen sowie Chlor zur Wasseraufbereitung. Auch ist geplant, die Pakete mit dem netten Namen „Dignity Kits“ (Würde-Kits) zu verteilen, die Binden und weitere kleine Artikel für die Intimhygiene enthalten.

© Helvetas

In einer anderen Gemeinde haben Shanta Tamang (15) und Anjali Bhandari (13) (beide rechts auf dem Bild) Blachen erhalten. Beide sind Schülerinnen der Bhumishwori Schule von Kiul. Helvetas pflegt dazu eine enge Verbindung, denn sie ist eine der Schulen, in der das COPILA Projekt aktiv ist. Mit diesem Gemeindeschulprojekt möchten wir das Bewusstsein für Klimaveränderungen und Anpassungsstrategien wecken. Mit den Folgen des Erdbebens zurecht zu kommen, verlangt den Mädchen maximalen Einfallsreichtum ab. Sie verwenden die neuen Blachen nicht nur als Schutz für ihre Familienmitglieder, sondern halten damit auch die Getreidevorräte trocken, die sie aus ihren zerstörten Häusern retten konnten. Shanta und Anjali sind sich nicht sicher, wann die Schule wieder öffnet, da das Gebäude ebenfalls durch das Erdbeben beschädigt wurde. Sie hoffen jedoch, dass der Wiederaufbau bald beginnt, damit sie mit dem Lernen fortfahren können.

Unserem Team ist aufgefallen, dass junge Menschen wie Shanta and Anjali in ihren Gemeinden eine stärkende Rolle spielen. Es ist ihnen insgesamt schneller gelungen ist, die Situation zu akzeptieren und damit zurecht zu kommen. Nach und nach machen sich die Menschen daran, die Überreste ihrer Häuser nach allem zu durchforsten, was sich noch verwenden lässt. Trotzdem ist das Ausmass der anstehenden Wiederaufbauarbeiten riesig. Das offizielle District Disaster Relief Committee schätzt, dass in den acht VDCs, die Helvetas unterstützt – Helambu, Mahamkal, Ichok, Kiul, Talamarang, Palchok, Duwachaur und Malamchi – 95% der Gebäude zerstört sind, mit Ausnahme von Duwachaur, wo es sogar 97% sind. Für den Moment richtet jeder allerdings den Blick auf das unmittelbare Überleben. Die Weizen- und Reisfelder sind bereit für die Ernte, und diese Arbeit ist sehr dringend, damit die Menschen wenigstens für die kommenden zwei bis drei Monate zu essen haben.

Diese Beitrag wurde zuerst auf unserem englischsprachigen Blog publiziert. Sie finden dort viele weitere Beiträge von Jane Carter zu Nepal.

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