Kreditskandal in Mosambik

Katrin Hafner, 28. Juni 2016
Kreditskandal in Mosambik

Mosambik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nun hat sich die Situation noch verschlechtert, in den letzten Wochen kam es zu zahlreichen Protesten. Zwar lagern vor der Küste des südostafrikanischen Landes im Indischen Ozean riesige Erdgasreserven. Doch politische Spannungen und ein Kreditskandal mit Schulden in Milliardenhöhe lähmen das Land. Die Wochenzeitung WOZ hat jüngst in einem Artikel geschrieben: „Mosambik befindet sich in seiner grössten Krise seit Ende des Bürgerkrieges von 1992.“

Was ist passiert? Die Regierung hat dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Öffentlichkeit die Aufnahme von Krediten in der Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar verschwiegen. Experten gehen davon aus, dass das Geld in den Kauf von Fischerbooten sowie Militär- und Sicherheitsausrüstung investiert wurde. Die Kredite stammen unter anderem von der Credit Suisse (CS). Indem die Schweizer Bank dem bereits verschuldeten Land weitere Kredite gegeben hat, hat sie womöglich ihre Sorgfaltspflicht – Prüfung der Kreditwürdigkeit – verletzt. Seit kurzem interessiert sich deshalb auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) für die Rolle der CS. Das Problem: „Damit wurden jeder Mosambikanerin und jedem Mosambikaner 80 Dollar Schulden aufgebürdet – mehr als dreimal so viel, wie die ländliche Bevölkerung im Durchschnitt pro Jahr verdient“, sagt Martin Fischler von Helvetas.

Helvetas stützt Zivilbevölkerung

Helvetas hat darum zusammen mit anderen NGOs und Basisgruppen die Forderung eingereicht, dass Regierung und Parlament die Öffentlichkeit klar darüber informieren, was gelaufen ist, dass sie Massnahmen ergreifen und aufzeigen, wie sie die Probleme lösen wollen. Vor allem aber: dass die Schulden nicht auf dem Buckel der unschuldigen Mosambikerinnen und Mosambiker abgewälzt werden. Es solle auf die Rückzahlung der illegalen Kredite verzichtet werden, fordert die so genannte Jubilee Debt Kampagne. Helvetas stützt damit die Zivilbevölkerung.

Die Unterstützung und politische Befähigung der Zivilgesellschaft ist ein integraler Bestandteil des Helvetas-Programms in Mosambik. Mit der vor sechs Jahren gestarteten Aktion „Terraço Aberto“ zum Beispiel finden monatlich Diskussionsveranstaltungen in Pemba statt. An den Veranstaltungen nehmen Privatpersonen und geladene offizielle Gäste teil – wie etwa der Bürgermeister. Ziel ist es, den demokratischen, friedlichen Meinungsaustausch zu fördern. Eine Gruppe Freiwilliger, die sich als „Think Tank“ versteht, recherchiert aktuelle Themen, lädt lokale Medien ein und streut die Diskussion auf Social-Media-Kanälen. Thematisch geht es etwa um Aids-Aufklärung oder Gewalt gegen Frauen. Auf regionaler Ebene unterstützt Helvetas Initiativen im Kampf gegen Landgrabbing – setzt sich also gegen die Landenteignung von Kleinbauern ein und gegen grossflächige, nicht nachhaltige Investitionen in der Landwirtschaft.

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Katrin Hafner

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