Kathmandu calling!

Kathrin Krämer, 24. April 2015
Kathmandu calling!

Leonie und Lukas mit Sonja, einer ehemaligen NADEL-Studentin, die heute für Helvetas arbeitet. 

 

Vor einigen Wochen sind seit Lukas und ich (Leonie) in Katmandu gelandet. Bei unserer Ankunft haben wir als erstes eine Taxifahrt hinter uns gebracht haben, die wahrscheinlich am besten in die Kategorie „ziemlich verrückt“ passt. Der Taxifahrer fuhr einfach los, ohne zu wissen wo es hin geht, obwohl er zu Beginn natürlich das Gegenteil behauptete. Von unserem Kopfschütteln auf seine Frage „You know the route, right?“ liess er sich nicht beirren. Nachdem wir ihm zum dritten oder vierten Mal bestätigt hatten, dass wir wirklich nicht wissen wie er nun fahren muss hat er nach der Nummer meiner Vermieter gefragt und sich von diesen den Weg beschreiben lassen. Es dauerte noch zwei weitere Anrufe und einige Stopps am Strassenrand bevor wir in unserem neuen Zuhause ankamen. Ein grosser grüner Vorgarten fühlte sich nach der Fahrt durch die staubigen Strassen Katmandus bereits wie eine Oase an.

Lukas und ich sind in den kommenden Monaten als NADEL-Projektassistenten für Helvetas tätig.

Wir wurden herzlich empfangen und direkt zum Tee eingeladen. Die Reaktion auf den Schweizer Käse, den ich stolz gerade noch so in meinen Koffer gequetscht hatte war: „It’s nice – but we have something like this here, too.“ Fast, würde ich inzwischen sagen. Der Yak-Käse ist wirklich nicht schlecht und schmeckt mit dem Vollkornbrot, dass es erstaunlicherweise an jeder Ecke gibt, wirklich richtig gut.

Heute wollen wir von zwei besondere Dingen berichten, die seit unserer Ankunft passiert: ein kaputtes Flugzeug, dass den ganzen Luftverkehr Nepals für knapp eine Woche lahm legt und das Holi Festival, das den Frühling und somit das Ende eiskalter Duschen einläutet. Beginnen wir mit dem Flugzeug!

Genau eine Woche nach unserer Landung ist ein Flugzeug nicht auf der Landebahn sondern auf dem Rasenstreifen daneben gelandet. Zum Glück ist keinem der Passagiere etwas passiert. Die Story war aber an dieser Stelle noch nicht vorbei. Spannender ist, wieso es so lange dauerte, bis das Flugzeug von der Rasenfläche transportiert und der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Warum es so lange dauerte, wusste keiner so genau. Vielleicht ist es von aussen schwer zu verstehen, was an diesem Nicht-Geschehen erwähnenswert ist. Doch es war für uns beide erstaunlich mitzuerleben, wie lange ein solches Malheur für Stillstand sorgen kann. Das Thema, das die Landesgrenzen nur schwerlich überschreitet beherrschte hier die Gespräche. Nun rauschen die Flugzeuge wieder über uns Haus und die Oropax dienen nicht nur dazu, dass Bellen der Hunde, sondern auch den Flugzeuglärm abzudämpfen. Lukas und ich waren froh, dass unsere Landung eine Woche davor ohne weitere Komplikationen verlaufen war.

Das Gegenteil von dem Stillstand bot sich uns kürzlich auf dem Durban Square in Kathmandu. Es wurde Holi gefeiert und wir waren mitten drin. Wir hatten von mehreren Seiten den Ratschlag erhalten, das Haus auf keinen Fall zu verlassen, aber letztlich hielten wir es nicht lange auf unserer Dachterrasse aus und wagten uns doch nach draussen. Es wäre fast ein wenig komisch gewesen, Holi hier zu verpassen. Der Ausflug in die Innenstadt Kathmandus war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Zu Beginn waren wir zwar noch etwas verunsichert als der Strom von Menschen mit bunter Farbe überall gar nicht mehr abreissen wollte. Es dauerte aber nicht lange, da waren unsere Gesichter und Kleider auch nicht mehr sauber und wir wurden zu einem Teil der Menschenmenge, die sich gegenseitig freudig „Happy Holi“ zurief und mit den Fingern Farbe auf die Backen strich. Zum Teil wurde die Farbe auch mit Wasser gemischt und die Gesten waren nicht ganz so freundlich – aber das hielt sich in Grenzen und wir konnten die Stimmung geniessen. Die Sonne strahlte wie noch nie, die Musik tönte von zwei Bühnen über den ganzen Durban Square und die jungen Menschen tanzten ausgelassen zwischen den Tempeln. Wären die Tempel nicht gewesen, hätte man auch einer riesigen Raveparty in einem europäischen Land zuschauen können. Abends kamen wir etwas sonnenverbrannt und müde nach Hause. Trotz einer langen Dusche mit viel Seife konnte man nicht ganz sicher sein, ob der Rest Farbe im Gesicht einfach nicht abgegangen war, ob das viele Schrubben oder tatsächlich Sonne schuld daran ist. Mein T-Shirt erinnert mich auch nach der Wäsche durch die bunten Punkte noch an Holi. Eine schöne Erinnerung.

Nach diesem Ereignissen begann die normale Arbeitswoche wieder. Lukas nimmt an einem Workshop teil und ich versuche, meine Aufgaben Stück für Stück in ein konkreteres Bild zu rücken. Im Laufe der Woche soll es für uns beide das erste Mal raus aus Kathmandu in den Westen gehen. Lukas wird seinen Arbeitsort Surkhet kennen lernen und ich noch etwas weiter in die Berge fahren, um mir dort einen Eindruck von den lokalen Gouvernanzstrukturen zu machen. Wir sind beide gespannt und freuen uns, das richtige Nepal kennen zu lernen. Denn wenn sich die Leute in Katmandu in einem einig sind, dann ist es darin, dass Katmandu nicht „real Nepal“ ist.

Mehr zu unseren ersten Erfahrungen in den Projekten bald in weiteren Blogbeiträgen.

Leonie Hensgen und Lukas Egloff studieren am NADEL und sind in den kommenden Monaten für Helvetas in Nepal als Projektassistenten im Einsatz. Leonie arbeitet im Bereich Governance und Peace und Lukas in Wasser und Infrastruktur.

Kathrin Krämer
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Kathrin Krämer

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