Installateurin im Glück

Kathrin Krämer, 18. Februar 2015
Installateurin im Glück

In Bhutan steht das Glück der Menschen an erster Stelle. Das Bruttonationalglück ist sogar in der Verfassung verankert. Dennoch fehlen den Jugendlichen häufig Jobs und damit Perspektiven zum Glücklichsein. Die 18-jährige Sangay Yangzom kann die Ausbildung machen, die sie sich schon lange gewünscht hat: Sie wird Sanitärinstallateurin.

Mitja Rietbrock, Fotograf und Filmemacher bei SRF, hat Sangay besucht und ein Porträt für die Sendung „mitenand“ gedreht. Seine Begegnung hat er in einer Reportage festgehalten. 

Sangays Unterarm zittert vor Anspannung, während sie versucht, eine verkantete Schraubenmutter mit einer übergrossen Rohrzange zu lösen. Einmal mehr holt sie tief Luft, presst die Lippen zusammen und dreht mit aller Kraft an der Schraube – bis diese schliesslich nachgibt. Die junge Frau atmet auf. „Was ich in die Hand nehme, muss klappen“, erklärt die angehende Sanitärinstallateurin.

© Helvetas / Mitja Rietbrock

Sangay ist eine von 25 Lernenden in einer von Helvetas unterstützten Ausbildung im Distrikt Bumthang im Herzen Bhutans. Immer wieder arbeiten die Lehrlinge mehrere Wochen lang auf Baustellen, um ihr erlerntes Fachwissen praktisch umzusetzen. Diesmal ist es das Kloster von Kharchu, eine der bedeutendsten Stätten tibetisch-buddhistischer Kultur des Landes. Sangay ist glücklich, ihr erlerntes Wissen einsetzen zu können. „Es gibt immer mehr Jugendliche und nicht viele Ausbildungsplätze“, erklärt sie. „Viele meiner Freunde haben diese Möglichkeit nicht. Ich bin stolz, an diesem Projekt teilhaben zu dürfen.“

Solides Handwerk – sichere Stellen

Erst 1999 erlaubte Bhutan seinen Bürgern die Benutzung von Fernseher und Internet. Vor acht Jahren leitete der König einen sanften Demokratisierungsprozess ein. Seither geht Bhutan den Weg einer konstitutionellen Monarchie, auch wenn sich viele der Bewohner die gute alte Zeit zurückwünschen, als ihnen der König ihre Entscheidungen abnahm. Sangay schüttelt den Kopf, während sie eine Wasserleitung montiert. „Es ist gut, eigene Entscheidungen zu treffen“, sagt sie. „Ich wusste schon früh, dass ich Sanitärinstallateurin werden möchte. Und es hat geklappt!“

Heute haben immer mehr junge Menschen in Bhutan eine gute Schulausbildung – aber keine Arbeit. Und während besonders im Bausektor die Firmen händeringend nach Fachkräften suchen, fehlt es im ganzen Land an Ausbildungsstätten für Jugendliche. Mit der Unterstützung von Ausbildungsprogrammen engagiert sich Helvetas dafür, dass qualitativ gute Ausbildungsgänge zur Verfügung stehen. Damit es für Jugendliche eine attraktive Option werden kann, ein Handwerk zu erlernen.

Sangay ist aufgeregt. Die Auszubildende soll dem Auftraggeber ihre Arbeit präsentieren. Das gehört zur Ausbildung. Dem Mönch gefällt, was er sieht: „Wir haben immer wieder gute Erfahrungen mit den Lehrlingen und Lehrtöchtern gemacht und vertrauen ihnen.“

Von der Baustelle ins Internetcafé

Sangay liebt diese Praxiswochen auf der Baustelle, in denen sie Verantwortung übernimmt wie eine Erwachsene. Doch nach der Arbeit schlüpft sie wieder in das Kostüm der Teenagerin und zieht mit zwei Kolleginnen in das einzige Internetcafé des Ortes. Das Facebook-Logo flimmert auf allen Bildschirmen. Die drei Freundinnen schauen sich Fotos junger Männer an. „Los, schreib ihm was!“, fordert Sangay ihre Freundin auf und stösst sie an. „Frag ihn mal, was er so macht.“ Seit der König Internet erlaubt hat, haben die Jugendlichen Anschluss an die Welt gefunden.

© Helvetas / Mitja Rietbrock

Selbst hinausziehen in die Welt käme für Sangay jedoch nicht in Frage. Aus dem Fenster fällt ihr Blick auf die schneebedeckten Ausläufer des Himalayas. In diesem unzugänglichen Teil der Welt ist sie gross geworden. Hier möchte Sangay den Rest ihres Lebens verbringen. „Das ist einer der Gründe, weshalb ich diese Ausbildung mache. Mit meinem Können möchte ich dafür sorgen, dass auch die Menschen in den abgelegenen Gebieten in ihren Häusern fliessendes Wasser haben“, sagt sie. So möchte sie auf ihre Art zum Bruttonationalglück beitragen.

Das Porträt von Sangay Yanzom in der Sendung „mitenand“

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