Gutes Zusammenleben

Redaktion, 12. September 2015
Gutes Zusammenleben

In Äthiopien müssen mehr als 80 Ethnien miteinander auskommen. Der Krieg in Kosovo hat Zerstörung und Hass zurückgelassen. In der Ukraine schwelt ein Krieg. Kolumbien. Sudan. 20 Männer und Frauen wissen aus eigener Erfahrung in ihrer Heimat, wie schwierig das Zusammenleben in einem Land sein kann. Sie nehmen in Fribourg an einem Kurs für „Gouvernanz auf Regionaler Ebene“ teil. Vier von ihnen, eine Kosovarin und zwei Frauen sowie ein Mann aus Äthiopien, arbeiten in Projekten von Helvetas (DEMOS in Kosovo, CBoC in Äthiopien)

„Ihr habt so viele Probleme gelöst“, sagt die Äthiopierin Esubalew Hiwot, und in ihrer Stimme ist Bewunderung für unser Land, wo vieles gut funktioniert. Maurizio Maggetti vom Institut für Föderalismus relativiert: „Die Idee ist nicht, dass die Teilnehmenden die Schweiz kopieren, sondern dass sie voneinander lernen, wie Bevölkerungsgruppen miteinander auskommen können und was staatliche Organisation dazu beitragen kann.“

Zum Mittagessen des dritten Kurstages hat sich Marie Garnier, Staatsrätin des Kantons Fribourg, angemeldet. Marie Garnier hat ihre Masterarbeit in Agronomie in Burkina Faso geschrieben, doch ihr Interesse an Entwicklungszusammenarbeit hat sie später zugunsten ihres Engagements für  Umweltschutz und ihrer politischen Karriere zurückgestellt. Seit einigen Monaten ist Garnier Mitglied des Zentralvorstandes von Helvetas. „Das gibt mir Gelegenheit, dieses Interesse wieder aufleben zu lassen und meine politische Erfahrung in eine Organisation einzubringen“, sagt sie.

Im Gespräch zwischen Garnier und der äthiopischen Delegation geht es weniger um Föderalismus als um die Schwierigkeit von Frauen, sich in der Politik durchzusetzen. „Wie viele Frauen sind bei Ihnen im Parlament?“, fragt Garnier. Bevor Hiwot antworten kann, muss sie sich gegen ihren männlichen Kollegen durchsetzen, der das Gespräch an sich reissen will. „Im nationalen Parlament müssen es 35% sein“, sagt Hiwot. „So steht es im Gesetz.“ Garnier staunt. „Doch die Frauen melden sich viel weniger zu Wort“, sagt Hiwot, und darüber staunt Garnier weniger.

„Ich wünsche mir sehr, dass aus unserer ersten Begegnung ein Austausch entsteht“, sagt sie zum Abschluss. „Sagen Sie mir, wenn sie Ideen dazu haben oder wenn Sie etwas brauchen.“ Und sie lädt die Äthiopierinnen für das Wochenende spontan zu einem weiteren Treffen bei sich zu Hause ein.

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