Gastserie: Solarkino in Nepal (8): Schwieriges Training – interessantes Thema

Simon Ming, 22. Dezember 2014
Gastserie: Solarkino in Nepal (8): Schwieriges Training – interessantes Thema

Das dritte Dorf, wo ein Kurzfilm entstand, ist zwei Laufstunden (oder mit wild gewordenen Eseln und stetigen Ladeproblemen fünf Stunden) von Salleri entfernt, der kleinen Handelsstadt von Solukhumbu. Tamakhani ist ein kleines Dorf in einem Seitental, in dem fünf verschiedene Gemeinschaften angesiedelt sind. Wir wohnten in einer Gaststube, die aber gerade zu Beginn wenig gastfreundlich war. Der Umgang untereinander war schroff, und unsere beiden Teammitglieder, die den Dalits angehören, wurden von oben herab behandelt. Das Hotel gehört einem Grossgrundbesitzer, der noch 15 weitere Häuser in der Gegend sein eigen nennt. Viele „wichtige“ Leute gingen ein und aus, trafen sich dort und redeten viel über wenig und versuchten wichtig zu wirken.

Unser Übersetzer, der bereits vor unserer Ankunft das Filmteam zusammenzustellen begann, wollte unser Projekt gross aufgleisen, es mit den Leadern verbinden. So schickten denn auch die Leader ihre 20-jährigen Kinder zum Training, sassen ständig bei den Diskussionen. Die Filmcrew verlor dabei etwas den Mut zu sprechen, so mussten wir die Herren gutmütig zu ihren wichtigen Aufgaben senden. Schlussendlich realisierte die Crew einen eindrücklichen Film über ihre Dorfgemeinschaft. Am Filmabend hatten von der Regisseurin bis zum Tonmann alle ein Leuchten in den Augen. Alle waren unglaublich stolz und zufrieden und das anfänglich etwas schwierige Training war vergessen.

Das Grundthema – das die Leader eingebracht haben – ist sehr spannend. Es gibt einen Tempel in Tamakhani, der für alle Religionen und Gruppen offen steht und als Symbol der sozialen Harmonie und der Dorfentwicklung verstanden wird. Jede hier ansässige soziokulturelle Gruppe – Tamang, Sherpa, Magar, Dalit und Newari – bringt kleinere und grössere Opfergaben zum Tempel. Der Tempel verfügt nebst Bargeldspenden über einiges an Gold, das auch von weit herkommenden Pilgern zum Tempel getragen wird. Aus dem Geld wird in die umliegende Infrastruktur investiert. Mit dem Akt der Opfergabe betet man für ein besseres Leben. Ein starkes Konzept, in dem Glaube und Entwicklung direkt verbunden werden.

Als wir die Konzeptualisierung des Filmes genauer besprachen, merkten wir, wie die Filmcrew inklusive den Leadern gewissen Fragen auswichen. Es dauerte etwas, bis wir den Grund dafür fanden. Sie hatten Angst, dass aus dem Film hervorgeht, dass ein Teil des Tempelvermögens in öffentliche Infrastrukturbauten wie die Strassenanbindung, die Schule und in die Hydropower-Anlage investiert wird. Die NGOs, die ebenfalls in ihre Infrastruktur investieren, könnten so allenfalls die Unterstützung unterbinden. Auf diese Vorbehalte gingen wir ein und konzentrierten uns auf die Verbindungen zwischen den soziokulturellen Gruppen und der Infrastruktur rund um den Tempel.

Entstanden sind schöne Portraits der verschiedenen soziokulturellen Gruppen, der Tempel wurde als Symbol der Harmonie und der Entwicklung dargestellt, und die unendlich langen Monologe einiger Leader (die nach Konzept mit beobachtender Kamera eingefangen werden sollte, wofür die Filmcrew aber keine Chance hatte), schnitten wir kurz und bündig zusammen. Letztlich waren alle zufrieden und begeistert. So begeistert, dass wir für einmal unseren Hauptfilm abbrachen um ein drittes Mal den lokalen Film zu zeigen. Und das Mikrofon ging für einmal in die Hand der Filmcrew anstelle der Leaders. Sogar die Wirte in unserem Gasthaus wurden richtig freundlich. Wir waren aber trotzdem froh, unsere Sachen wieder packen zu können.

 

Das Solar Wanderkino Nepal ist bis Ende Jahr unterwegs. Maria Suhner und Jorrit Bachmann reisen mit einem lokalen Team durch abgelegene Gegenden Nepals. Bewohnerinnen und Bewohner kleiner Bergdörfer halten erstmals eine Kamera in der Hand und produzierten Kurzfilme über eigene aktuelle Themen, die abends im Dorf unter freiem Himmel vorgeführt werden. Bis Ende Jahr berichten Maria und Jorrit hier von ihren Erlebnissen.

Simon Ming
Autor

Simon Ming

Online Editor

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