Gastserie: Solarkino in Nepal (6): Über die Pässe

Kathrin Krämer, 28. November 2014
Gastserie: Solarkino in Nepal (6): Über die Pässe

Die Landschaften hier in Ramechap und Solukhumbu sind gebirgig. Grosse Flächen sind bewaldet und manchmal erinnert die Landschaft an die Schweiz. Wenn wir den Menschen Fotos aus den Alpen zeigen, sind sie begeistert über die Ähnlichkeit. Unscheinbare, kleine Hügel sind jedoch oft tausend Meter höher als die Täler, die Dimensionen faszinieren. Um die Dörfer der verschiedenen Distrikte zu erreichen, überwinden wir steile Wege. Vier Pässe haben wir überwunden und schöne Aussichten genossen. Dank der Esel laufen wir gemütlich, wenn wir uns nach der Zeit zum nächsten Ort erkundigen, knüpfen wir an „bistare, bistare“ (langsam, langsam) und verdoppeln oder verdreifachen die angegebene Zeit und bringen die Leute zum Lachen.

Die hinduistische und buddhistische Kultur liegt in Solukhumbu nahe beieinander. Manchmal schlafen wir neben einem buddhistischen Kloster, essen die gute Sherpa Kost, die uns um einiges Vielfältiger erscheint als die nepalesische und erfreuen uns ab der feinen, ruhigen Art der Sherpas. In einem Sherpa-Dorf, Bhakanje, trafen wir auf einen Mann, der gerade dabei war, 50 Visitenkarten in Hüllen zu verpacken. Als wir ins Gespräch kamen, erzählte er von vielen Projekten, in die er involviert ist. Die Visitenkarten seien für die Frauengruppen, extra mit Fotoplatzhalter, das sei gut, wenn sie sich ausweisen können, aber insbesondere auch für ihn, dann wisse er immer den Namen zum Gesicht. Er lacht laut. Die Gespräche verlaufen kaum je ohne viel zu lachen, was sehr angenehm ist. Der Mann arbeitete bereits mit vielen NGO’s zusammen, auch mit Helvetas, in Bhutan war er damals mit Helvetas, und in vielen Orten Nepals.

An den Kino-Abenden zeigen wir Filme, die sich in den Bergen abspielen. Die Nächte sind kalt hier am Fusse der hohen Schneeberge. Unser Teammitglied aus dem Terrai, dem heissen Flachland im Süden Nepals, und wir beiden Schweizer scheinen dabei die einzigen, die frieren: mit sieben Schichten sitzen wir neben dem Projektor, und Bhupal, unser Eseljunge und neuer Kinooperateur, hat grad mal einen Pullover und Flip-Flops an. Das Videotraining konzentriert sich auf Dörfer an Südhängen. Die Tage des Trainings und Shootings waren denn auch meist schön warm. Die wichtigsten und höchsten Pässe sind überwunden. Wir folgen nun den Flüssen – abwärts – und erreichen die wärmeren Hügelgebiete der Distrikte Okhaldhunga und Khotang.

Eine zauberhafte Filmcrew

Unsere erste Filmcrew bestand aus fünf bezaubernden jungen Frauen, die mit viel Freude, grosser Leichtigkeit und sehr spielerisch einen Film über die Generationen realisierten. Vom Grossvater gings über zum Vater, dann zum Sohn. Infrastrukturelle, kulturelle und soziale Veränderungen wurden ersichtlich. Die Crew motivierte die Akteure vor der Kamera zum Spiel, suchten nach Möglichkeiten, die verschiedenen Sequenzen miteinander zu verbinden. So rief der Vater mit dem Handy dem Sohn an, was den Übergang einleitete und zugleich die Veränderung im Kommunikationsverhalten aufzeigte.

Die kleine Streusiedlung liegt friedlich an einem Sonnenhang. Vor den Häusern, mit schönen Veranden in den oberen Hausteilen, schneidern die Männer Kleider. Das Handwerk – ein Kennzeichen der Kastenzugehörigkeit (Tailor, eine der untersten Kasten) – wird hier vor jedem Haus praktiziert. Jorrits Hose riss beim Schritt während des Shootings ein, so waren wir am richtigen Ort. Die Leute waren offen und interessiert, alle wollten, dass wir bei ihnen übernachten. Schlussendlich schliefen wir an zwei Orten, einmal in einem Bett voller Flöhe, einmal im unteren Hausteil, wo auch die Ziegen schliefen, das war ganz schön. Ein Mädchen aus der Filmcrew war umwerfend hartnäckig, sie redete unaufhörlich auf uns ein, wir sollten bleiben. In Katike erlebten wir einen super Start in die Projektarbeit.

 

Das Solar Wanderkino Nepal ist bis Ende Jahr unterwegs. Maria Suhner und Jorrit Bachmann reisen mit einem lokalen Team durch abgelegene Gegenden Nepals. Bewohnerinnen und Bewohner kleiner Bergdörfer halten erstmals eine Kamera in der Hand und produzierten Kurzfilme über eigene aktuelle Themen, die abends im Dorf unter freiem Himmel vorgeführt werden. Bis Ende Jahr berichten Maria und Jorrit hier von ihren Erlebnissen.

Kathrin Krämer
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