Gastserie: Solarkino in Nepal (3): Offenes Publikum in Jiri

Kathrin Krämer, 27. Oktober 2014
Gastserie: Solarkino in Nepal (3): Offenes Publikum in Jiri

„Hast du jemals eine Heirat zwischen einer Brahmanin (oberste Kaste) und einem Unberührbaren (unterste Kaste, resp. kastenlos) gesehen?“ schallt es durch den Lautsprecher des Solarkinos. „Chha! (ja)“ ruft eine junge Stimme aus dem Publikum, worauf die Leute laut zuklatschen. Der Film findet breite Zustimmung. Mit BATO MUNI KO PHOOL – einer bunt inszenierten Liebesgeschichte zwischen dem Kastenlosen Kanchha und der Brahmanin Tulasi, einer Geschichte von sehnsüchtiger Romantik und klaren Worten zum hierarchischen Kastensystem – eröffnen wir unsere Solarkino Tour.

Es ist schön zu sehen, dass der Film beim Publikum ankommt. Das Kastensystem ist allgegenwärtig in Nepal und der Kastenrassismus gross. Viele Unberührbare werden unterdrückt, besitzen oft keine Stimme und meist leben sie in separaten Dörfern, weitgehend ausgeschlossen von der Gesellschaft. Auf unserer letzten Solarkino Tour durch den mittleren Westen Nepals begegneten wir einer Wasserstelle mit vier Hähnen – für die vier Kasten –, um sich nicht gegenseitig zu verunreinigen. Auch wird nicht davor zurückgeschreckt, Liebespaare aus unterschiedlichen Kasten, sowie ihre Familien gesellschaftlich auszuschliessen.

Der Gesichtsverlust kann soweit führen, dass die Liebespaare erhängt werden, um die Stellung der Familie in der Gesellschaft zu erhalten. Auf der Tour 2013 durch war dies in einem unserer Projekt-Dörfer geschehen, wenige Monate vor unserer Ankunft. Die Nepali-Filme in unserem Gepäck können Hintergründe erklären und unhinterfragte, fest eingefahrene Muster zur Diskussion stellen. Und dies auf eine unterhaltsame Art.

Am zweiten Abend – am Vorabend vor dem grossen Tag vom Tihar (dem Lichterfestival, wo Hunde mit Blumenkränzen gesegnet werden und die Brüder den Schwestern Tikka als Segnung auf die Stirn drücken) – projizieren wir die Komödie HASI DEU EK PHERA. Die Geschichte handelt von einem kleinen Jungen, der bei einem Autounfall die Eltern verliert und nun vom schnarchenden Onkel Hari aufgezogen wird. Eingebunden werden Themen wie Alkoholismus, Liebe, häusliche Gewalt oder Kleinkriminalität, raffiniert, witzig und nah, mit harmloser Moral. Der Onkel Hari – eine Mischung aus Bud Spencer und Mr.Bean – schlägt sich mit den Bösen und setzt sich mit aller Kraft für das Glück seines Zöglings ein. Ein Film der für die Fürsorge aller plädiert und die Leute zum Lachen bringt.

Und hier ein Interview mit einer jungen Zuschauerin, die beide Filme gesehen hat.

Das Solar Wanderkino Nepal ist bis Ende Jahr unterwegs.  Maria Suhner und Jorrit Bachmann reisen mit einem lokalen Team durch abgelegene Gegenden Nepals. Bewohnerinnen und Bewohner kleiner Bergdörfer halten erstmals eine Kamera in der Hand und produzierten Kurzfilme über eigene aktuelle Themen, die abends im Dorf unter freiem Himmel vorgeführt werden. Bis Ende Jahr berichten Maria und Jorrit hier von ihren Erlebnissen.

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