Gastserie: Solarkino in Nepal (1): Letzte Vorbereitungen in Kathmandu

Kathrin Krämer, 21. Oktober 2014
Gastserie: Solarkino in Nepal (1): Letzte Vorbereitungen in Kathmandu

Nachdem das Solar Wanderkino Nepal schon 2013 auf Tour war, sind Maria Suhner und Jorrit Bachmann auch diesen Herbst wieder nach Nepal aufgebrochen. Das Solarkino zieht mit Kamera und Eseln durch abgelegene Gegenden im Osten des Landes.  Bewohnerinnen und Bewohner kleiner Bergdörfer hielten erstmals eine Kamera in der Hand und produzierten Kurzfilme über eigene aktuelle Themen, die abends mit dem ganzen Dorf gemeinsam unter freiem Himmel vorgeführt werden. Bis Ende Jahr berichten sie hier von ihren Erlebnissen. 

Seit einigen Wochen sind wir wieder in Kathmandu. Die Stadt ist gewachsen. Seit der letzten Solarkino Tour im Frühjahr 2013 hat sich in Kathmandu einiges verändert. Bunte Häuser schiessen wie Pilze aus dem Boden. Einige Reisfelder – Anbauflächen mitten in der Stadt und gleichzeitig die grünen Oasen im Grossstadtmoloch – sind verschwunden. Um dem täglichen Verkehrskollaps zu entgegnen wurden Strassen ausgebaut. Auch die Ringroad, der Zirkel um Kathmandu herum, befindet sich im Ausbau. Aus der kühnen Asphaltstrecke soll eine edle Autobahn werden.

Drachenfliegen zu Dashain

Letzte Monsungüsse waschen die schwer zu atmende Luft herunter und Dashain – das grösste Hindu-Festival Nepals – liegt nahe. Zu dieser Zeit fliegen im ganzen Land selbstgebaute Drachen in der Luft, und meterhohe Bambusrohre werden aufgestellt, vier Pfeiler bilden das Gerüst für eine Schaukel, worauf die Kinder hoch in die Lüfte schwingen. Die Stadt ist leer während Dashain. Die Leute reisen in ihre Heimatdörfer und verbringen die Tage zusammen mit ihren Familien. Auch wir sind ins Terrai gefahren, ins flache, heisse Gebiet am Fuss der Berge, nahe der indischen Grenze, wo wir im Heimatdorf unseres Übersetzers Abhimanyu herzlich von seiner Familie empfangen wurden. In nepalischen Festtagskleidern, die uns auferlegt wurden, feierten wir gemeinsam mit dem Dorf die wichtigsten Tage des Festes.

Zurück in Kathmandu treffen wir die letzten Vorbereitungen für unsere zweieinhalbmonatige Tour, die uns durch den Osten des Landes führen wird. Das Equipment wird vervollständigt, und die letzten Teammitglieder werden gesucht. Die Zeit läuft anders hier und kaum ein Treffen findet zur vereinbarten Zeit statt. Man gewöhnt sich an die Flexibilität und beginnt mehr in Tagen als in Stunden zu denken. Auch sind gewisse Statements etwas indirekt und phantasiereich. Beispielsweise ist ein Teammitglied kurzfristig abgesprungen, weil er sich, wie von der Wahrsagerin vorausgesehen, das Bein während des Schlafes gebrochen hat.

Das Team ist (fast) komplett

Wir haben aber ein gutes Netzwerk und werden auf der Suche nach weiteren Teammitgliedern schnell fündig. So ergänzen nun ein erfahrener Kameramann aus Kollywood, dem Hollywood Kathmandus, und ein Mitglied des Künstlerkollektivs Sattya, der bereits Erfahrung im partizipativen Videotraining mitbringt, unser Team. Beim Training in Kathmandu haben unsere Teammitglieder gelernt, was Kulturelle Entwicklungszusammenarbeit bedeutet, wie unser Solar- und Kinosystem funktioniert und natürlich, wie Filme aufgebaut werden können, wie man Themen konzeptualisiert, wie man Aufnahmen macht und wie man schneidet. Wir produzierten einen Kurzfilm über einen MoMo Shop, um das Handwerk zu üben, und schliesslich besprechen wir den Projekt-Verlauf inklusive der lokalen Weiterführung, die im Anschluss an das Projekt, im Januar, beginnt. Alle sind gespannt, was uns erwartet und die Vorfreude ist gross.

Zusammen mit Sange, unserem Eselführer und Ohm, einem Filmstudenten, der uns die ersten Wochen begleitet, reisen wir los nach Jiri, während ein Teil des Teams nach Salleri reiste, um drei junge, starke Maulesel unter 50 Mauleseln auszuwählen und zu ersteigern (ein Prozess, der Tage dauert). Sie werden anschliessend mit den Eseln über die Berge nach Jiri laufen, wo das Solar Wanderkino Nepal beginnt.

Noch mehr zum Solar Wanderkino gibt es auf der Website des Projekts.

Kathrin Krämer
Autor

Kathrin Krämer

kommentieren Sie DIESen Beitrag

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zeichen verfügbar 600 Antworten abbrechen