Gastfreundschaft in den vietnamesischen Bergen (2/3)

Simon Ming, 21. Juli 2015
Gastfreundschaft in den vietnamesischen Bergen (2/3)

Daniel Bill* bloggt aus Vietnam. Er studiert am NADEL und ist gegenwärtig für Helvetas im Shan Tea Projekt im Einsatz. 

Daniel BillWeit weg vom Trubel und Wahnsinn in Hanoi besuche ich regelmässig die Teebauern und Produzenten des Shan Tea Projektes in den ruhigen Bergen der Provinzen Lai Chau, Lao Cai und Ha Giang. Die Arbeit in den Bergen führt mir die Herausforderungen des ländlichen Vietnams vor Augen. Die Besuche von Farmer Field Schools, Produktionsanlagen und Teeplantagen gewähren mir vielseitige Einblicke – nicht nur in die Projektarbeit von Helvetas, sondern auch in das Leben der ethnischen Minderheiten im Norden Vietnams. Zwei Feldbesuche sind mir in besonders guter Erinnerung geblieben.

 

Farmer Field School in Quang Binh, Ha Giang Provinz

Eigentlich arbeite ich nicht direkt mit den Teepflückern und Bäuerinnen. Helvetas ermöglicht mir aber viele Besuche, die nicht unmittelbar mit meiner Arbeit zu tun haben. Sie sind für mein Verständnis der Wertschöpfungskette und des Teemarkts in Vietnam sehr hilfreich. Wie wir in unserem Shan Tea Projekt versuchen, die Qualität der Teeernte zu verbessern, habe ich Mitte Mai in Quang Binh während eines Workshops mit lokalen Bauern erfahren.

© Helvetas

Der sinnvolle Umgang mit Pestiziden wird in drei Stunden Workshop und einem ganzen Vormittag direkt im Feld erprobt. Von der Theorie in Vietnamesisch bekomme ich nicht viel mit, auch wenn meine Arbeitskollegin immer wieder versucht, ein Update zu geben. Sie arbeitet am Workshop mit und beobachtet die frisch ausgebildeten Trainer. Ich erfahre, dass heute die Unterschiede zwischen nützlichen und schädlichen Insekten diskutiert werden. Dazu haben alle Bauern Käfer und Insekten in ihren Baumbeständen gesammelt und zum Workshop mitgebracht. Es wird sortiert. Trotz mangelndem Sprachverständnis ist es für mich interessant, das Verhalten der Bauern zu beobachten, die zu Beginn sehr aufmerksam den Erläuterungen des Trainers folgen, mit zunehmender Dauer aber unruhiger werden. Ich habe das Gefühl, dass sie es auf der Schulbank nicht lange aushalten, ihre Welt ist draussen im Feld.

Wie läuft so ein Training ab? Im Video https://youtu.be/uiRWF0PthLo.

Am nächsten Vormittag stehen wir dann auch alle gemeinsam an einem steilen Hang zwischen Teebäumen.

Ich habe nicht das Gefühl, dass es erst morgens um 7 ist und leide unter den bereits hohen Temperaturen. Um sieben Uhr nehmen die Teepflücker ihre Arbeit spätestens auf, damit sie mittags vor der eigentlichen Hitze fliehen können. Ich gebe mit meinem Fotoapparat mein bestes, um ein paar Schnappschüsse zu machen. Mein durchgeschwitztes Hemd sorgt für Belustigung. Die Teebauern stehen entspannt, ohne jedes Anzeichen von Anstrengung und in Badelatschen im Halbkreis rund um den Trainer. Der Austausch ist deutlich lebhafter als noch gestern im Schulraum. Die Bauern sind in ihrem Element, es wird auch viel gelacht.

Lernen Sie die Teepflückerinnen und -pflücker im Video kennen:

 

Am Abend werden meine Arbeitskollegin und ich zum Community Leader und seiner Frau zum Essen eingeladen. Weil wir auch gleich im traditionellen Haus aus Holz übernachten, bekomme ich das tägliche Leben unmittelbar mit.

© Helvetas

Ich bin überwältigt von der unkomplizierten Art der beiden Gastgeber. Ich werde behandelt, als würde ich hier täglich ein und ausgehen. Ein einmaliges Erlebnis, für das ich sehr dankbar bin.

Teeproduktion in Ban Lien, Lao Cai Provinz

Anfang Juni fahre ich mit meinem Arbeitskollegen Tuan nach Ban Lien, um eine Geschichte über das Teeproduzentenpaar Than und Nhung zu schreiben. Die beiden Dreissigjährigen betreiben seit neun Jahren eine kleine Teeproduktion in den Bergen des abgelegenen Bac Ha Distrikts. 2013 erhielten sie Unterstützung durch Helvetas. Durch technischen Support, Bereitstellung von Gerätschaften sowie der Bildung von Farmer Groups und Farmer Field Schools konnten sie ihre Produktion erheblich steigern.

Auch die die Qualität ihres Tees hat sich verbessert. Ich bin beeindruckt, dass sich Than und Nhung mit Anfang 20 zur Teeproduktion entschieden und über Jahre selbstständig durchgekämpft haben, um sich eine eigene Existenz aufzubauen. Sie haben mit ihrer Hartnäckigkeit die Grundlage für ihren Erfolg gelegt. Heute werden sie mit einem funktionierenden Unternehmen belohnt. Ihre Geschichte und ihren Alltag habe ich in Englisch auf der Website von Helvetas Vietnam geschildert.

 

*Lesen Sie in Daniels erstem Beitrag, wie der Verkehr in Hanoi die innere Haltung der Stadtbevölkerung wiederspiegelt.

Simon Ming
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Simon Ming

Online Editor

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