Gastbeitrag: Solarkino in Nepal (11): Zurück nach Kathmandu

Simon Ming, 30. Januar 2015
Gastbeitrag: Solarkino in Nepal (11): Zurück nach Kathmandu

Je weiter wir in die abgelegenen Gebiete Khotangs laufen, desto mehr fühlen wir uns an die Solarkino-Tour 2013 erinnert. Die Menschen leben sehr einfach und fast ausschliesslich von der Subsistenzwirtschaft.

An einigen Hängen hoch oberhalb der Flüsse stehen Mandarinenbäume (Suntalas) gerade in Reife. Unten an den Flüssen wachsen Bananen und Zuckerrohr. Auf den Terrassenfeldern wird der erste Weizen angepflanzt, der hellgrün zwischen den Stoppelfeldern leuchtet, und überall türmt sich zylinderförmig das geerntete Stroh. Unter den Dächern hängt der Mais zum Trocknen. Die letzte Fingerhirse wird gedroschen.

Die Dorfbewohner empfehlen uns, für den Verkauf der Esel nach Aiselukharka zu gehen. Der kleine Basar auf einem Bergrücken liegt am Ende der von Diktel (dem Distrikthauptort) herkommenden Strasse. Von dort aus bringen Maultierkaravanen die Waren weiter zu den Dörfern. Um die Strasse zu erreichen, müssen wir weit hinunter an einen Fluss und diesem zwei Tage folgen, bis die Strasse den Fluss quert. Dort geht es dann wieder 2000 Höhenmeter hinauf.

Nahe der Strasse entscheiden wir uns, das Team aufzuteilen. Während Amar und Bhupal mit unseren Maultieren bereits den Weg hoch nach Aiselukharka antreten, bleibt das restliche Team unten am Fluss und stellt die Zelte in einem winzigen Dorf auf einem Feld einer Familie auf. Da die Ernte der Familie etwas knapp ist, kochen wir einmal am Tag unsere Schweizer Konservenspezialitäten und teilen Sie mit ihnen.

Das Dorf besteht aus fünf Häusern und unglaublich vielen Kindern, die sich um unsere Zelte tummeln und Tag für Tag „Seven Stones“ spielen: Zwei Gruppen, ein selbstgebastelter Wurfball, sieben aufeinander geschichtete Steine. Die Steine gilt es zu treffen. Stürzt der Turm, wird versucht die Mannschaft zu treffen. Die Runde ist zu Ende, wenn entweder alle von der einen Gruppe durch den Ball getroffen oder die Steine wieder aufeinander getürmt sind. Natürlich gibt es dabei noch unzählige Sonderregeln. Die Kinder und ihr Spiel prägen das Dorf. Wir entscheiden uns, dies zum Thema des Filmes zu machen und für einmal stehen wir selbst hinter der Kamera. Die Kinder erläutern die Konstruktion des Balles, die korrekte Türmung der Steine und wir fangen die Szenen des Spiels ein.

Seven Stones wird am letzten Abend als Vorfilm aufgeführt. Das Gelächter der mehrheitlich sehr jungen Zuschauer ist laut, als sich am Ende des Films der kleinste aller Spielkameraden füdliblutt auf den Knäuel der Kinder, die alle den Ball ergattern wollen, wirft.

In der Zwischenzeit haben Amar und Bhupal Aiselukharka erreicht, doch die Neuigkeiten sind nicht besonders gut. Der angebotene Preis für die Esel ist nicht einmal die Hälfe von dem, was sie uns gekostet haben. Wir begeben uns ins kleine Städtchen auf den Grat, um die Lage gemeinsam zu besprechen. Wir entschliessen uns, die Esel wieder in Salleri zu verkaufen, wo wir die Esel gekauft hatten.

Nach einer gemeinsamen Abschiedsparty mit unserem Team und einigen tanzfreudigen Dorfbewohnern (die Mädchen tanzen bezaubernd!), treten zwei unseres Teams mit den Eseln die mehrtägige Reise nach Salleri an. Schade, denn den Maultieren in Aiselukharkas geht es sichtlich besser als denjenigen in Salleri (vermutlich würden unsere Tiere aber ohnehin nach Salleri weiterverkauft, denn sie sind gesund, stark, fett und zutraulich geworden). Der Weg von Aiselukharka nach Kathmandu ist nicht einfach. Wir müssen für die erste Tagesstrecke ein starkes Fahrzeug und einen tollkühnen Fahrer auftreiben. Wir bleiben mehrmals im Schlamm stecken und müssen das Auto mit vereinten Kräften und starken Lastwagen und Traktoren befreien. Steinschläge verunmöglichen vorübergehend die Weiterfahrt und wir überlassen Fahrer und Jeep ihrem Schicksal, während wir zu Fuss weitergehen. Nach drei Tagen erreichen wir  gut durchgeschüttelt, aber wohlbehalten Kathmandu.

Nebst kulinarischen Streifzügen durch die Stadt, steht nun vor allem die Organisation der lokalen Weiterführung des Solarkinos an. Das Team ist topmotiviert und ein Filmemacher, sowie eine in der Entwicklungszusammenarbeit tätige Frau, schliessen sich der in der Entstehung begriffenen Organisation an.

Simon Ming
Autor

Simon Ming

Online Editor

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