Fundraising: Moralische Genügsamkeit überwinden

Stefan Stolle, 30. März 2015

Angesichts enormer sozialer und ökologischer Herausforderungen scheinen private gemeinnützige Institutionen klein und machtlos. Tatsächlich könnten die Werke mehr tun, wenn ihnen mehr Mittel zu Verfügung stünden. Um diese Mittel zu erhalten, müssten sie allerdings mehr in die Mittelbeschaffung investieren. Moralisch ist dies von der Gesellschaft jedoch nur sehr beschränkt toleriert. Wer seinen Spendenertrag steigern möchte, muss die gesellschaftlich auferlegte Genügsamkeit überwinden.

Um sich erfolgreich am Markt behaupten zu können, investieren Unternehmen in Innovationen und Marketing. Damit gehen sie kalkulierte Risiken ein. Was in der Privatwirtschaft selbstverständlich ist, bleibt im Non-Profit Sektor die Ausnahme. Die gesellschaftlich verankerte Auffassung gebietet solchen Organisationen, ihre finanziellen Mittel möglichst vollumfänglich dem gemeinnützigen Zweck zuzuführen. Kosten und Risiken des Fundraisings sollen so tief wie möglich gehalten werden. Diese moralische Vorgabe hindert Non-Profit Organisationen aber, ihre Investitionen in das Fundraising zu erhöhen. Dadurch wird der gemeinnützige Sektor klein gehalten und daran gehindert, letzlich mehr Spenden für die Lösung gesellschaftlicher Probleme zu generieren.

Diese von Vorständen und Stiftungsräten übernommene moralische Genügsamkeit gilt es zu überwinden. Ohne Investitionsbereitschaft ist kein Wachstum der Spendenerträge möglich. Der ständige Blick auf den ROI – den return on investment – hindert Fundraiserinnen und Fundraiser, neue Strategien zu entwickeln und mit ihren Sammelaktionen mehr Spendende zu erreichen. ROI steht somit in diesem Fall für restrict our innovation.

Massstab für erfolgreiches Fundraising darf demnach nicht die Rentabilität der eingesetzten Mittel sein, sondern das damit erzielte Nettoergebnis. Solange wachsende Investitionen unter dem Strich mehr Spenden generieren, die dem eigentlichen Zweck einer Organisation zugeführt werden können, sind Investitionen in das Fundraising nicht nur moralisch vertretbar, sondern geradezu eine Pflicht.

Die Furcht vor einem Reputationsschadens ist dabei unbegründet. Eine Analyse der Jahresrechnungen Schweizer Non-Profit Organisationen zeigt, dass jene Organisationen ihr Spendenvolumen steigern und ihre Spenderbasis verbreitern, die ihre Fundraisinganstrengungen ausgebaut haben. Gemäss einer englischen Studie von fast.map (2012, nicht online) wären 56 Prozent der Spendenden damit einverstanden, wenn ihre Spende verwendet würde um noch mehr Spenden zu generieren. Und ein Drittel der Spendenden spricht sich sogar dafür aus, dass ein Teil ihrer Spenden dafür verwendet wird, Fundraiserinnen und Fundraiser weiter zu bilden.

Autor

Stefan Stolle

kommentieren Sie DIESen Beitrag

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zeichen verfügbar 600 Antworten abbrechen

1 Kommentare zu «Fundraising: Moralische Genügsamkeit überwinden»

  1. Thomas

    20. April 2016 um 10:55

    Fundraising kann eine tolle Chance sein, die genutzt werden sollte. Allerdings sollte man nicht vergessen, wieviel Arbeit dahinter steckt. Viele unterschätzen das ganze oftmals.

    Antworten