Etwas „Normalität“ in zerrüttete Leben bringen

Jane Carter, 16. Juni 2015
Etwas „Normalität“ in zerrüttete Leben bringen

Temporäre Schulzelte in Nepal © Caritas 2015

In den vom Erdbeben heimgesuchten Gebieten kann zwar noch keine Rede von Normalität sein, doch haben die meisten Haushalte im Tal von Melamchi inzwischen ein Mindestmass an Obdach und wurden sowohl mit Decken als auch mit Mitteln zur Wasserdesinfektion versorgt. Die wachsende Zahl von Haushalten in dem Gebiet ist in der Tat beträchtlich. Neue Berechnungen zeigen, dass es 20 bis 30% mehr Haushalte gibt als in den ursprünglichen Aufzeichnungen vermerkt waren. Alle sind aber bei den Hilfsgüterverteilungen berücksichtigt worden.

Saatgutverteilung

Da die heissen Temperaturen und Monsunregenfälle noch nicht eingesetzt haben, waren die Bauern im Tal in der letzten Woche eifrig damit beschäftigt, ihre Felder dafür vorzubereiten. Helvetas hat in allen sieben reisanbauenden Gemeinschaften (Village Development Committes, VDC) im Tal Saatgut verteilt. Die eingesetzte Sorte (Khumal-4) entspricht dabei den Vorlieben der Bauern. Das bedeutet, dass die Sorgen, die Bauern wie Prabha Bhandari ausgedrückt haben, gelindert sind. Eine weitere Sorge – die Reparatur zerstörter oder beschädigter Bewässerungskanäle – wird auch gerade angegangen. Prem Khadka, einer unserer Ingenieure, hat ein umfassendes Gutachten darüber erstellt, was benötigt wird. Die Arbeit wird in Kürze beginnen.

Hygienekits

© HelvetasHygienekits sind an alle Haushalte in den VDCs Mahankal, Ichok, Palchok und Duwachaur verteilt worden. In Kürze werden die anderen VDCs folgen. Die Sets enthalten Standardartikel wie zum Beispiel Kamm, Seife und Waschpulver sowie auch Hygieneartikel für Frauen in der Menstruation. Die übliche internationale Praxis wäre es, Damenbinden zu verteilen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sie allen Frauen in Nepal vertraut sind. Insbesondere ältere Frauen sind daran gewöhnt, während der Menstruation einfach ein altes Tuch umzubinden. Hier braucht es Sensibilisierung für Generationsunterschiede. Auch die Frage nach der Entsorgung stellt sich. Letztendlich hat sich das Team entschieden, den Paketen einen Vorrat an weichem Baumwollgewebe beizulegen, das ausgewaschen und wiederverwendet werden kann.

Menstruation ist ein heikles Thema. In der hinduistischen Tradition werden menstruierende Frauen als unberührbar und „verunreinigend“ betrachtet – das bedeutet, dass sie wortwörtlich nicht berührt werden dürfen und keine Speisen zubereiten sollten. Von ihnen wird auch erwartet, dass sie in einem separaten Bereich getrennt von anderen Familienmitgliedern schlafen. Unter den derzeitigen Umständen ist das nicht einfach durchzusetzen. Das ermöglicht immerhin, solche diskriminierenden Praktiken in Frage zu stellen, wozu wir in unseren WASH-Programmen (Wasser, Sanitäreinrichtungen, Hygiene) generell ermutigen.

Zurück in die Schule – oder zumindest zum Unterricht

Für Kinder ist es wichtig, so bald wie möglich zu ihrem Unterricht zurückzukehren – nicht nur wegen des Lernens an sich, sondern auch aus psychologischen Gründen. Unser Team errichtet in Zusammenarbeit mit der Caritas provisorische Lernzentren (Temporary Learning Centres, Bilder von Caritas), in denen Kinder weiter lernen können. Im Einsatz sind jetzt 33 für Grund- und Mittelstufenschüler bis zur 10. Klasse, in der die Kinder ihren Schulabschluss machen. Die Schüler sind hauptsächlich in Zelten untergebracht, von denen 70 aufgestellt wurden. Eine der ersten Aktivitäten (in Zusammenarbeit mit Solidar und finanziert von der Glückskette) ist der Bau von Schultoiletten. Ein vollständiges Gutachten über die Bedürfnisse in sechs der acht VDCs in Melamchi wurde gerade fertiggestellt. Toiletten für die ersten zwei Schulen werden im Moment gebaut.

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