Ein Container voll Bio-Baumwolle

Tobias Meier, 14. Mai 2016
Ein Container voll Bio-Baumwolle

Wir von Helvetas Fairtrade sind ständig auf der Suche nach Abnehmern für die Bio-Baumwolle aus unseren Projekten. Das ist gar nicht so einfach, denn unsere Projekte in Zentralasien und Westafrika sind weit weg von der Textilindustrie. Deshalb haben wir diesen Frühling die Kampagne Slow Fashion Container gestartet. Auf www.slow-fashion-container.ch kann eine interessierte Community die gesamte Produktionskette eines T-Shirts mitverfolgen, von der Aussaat der Samen auf einem Feld in Mali bis zur Lieferung in die Schweiz. Die Aktion kommt zustande, wenn 1000 T-Shirt-Bestellungen eingehen. Das ist die Menge an Stoff, mit der ein Container gefüllt werden kann, die Handelseinheit schlechthin im Weltmarkt.34-0-Karte_Watson_breit_1200px_Timeline_7

Mali exportiert mehr als 95% der produzierten Baumwolle und ist damit ganz stark dem Weltmarkt ausgesetzt. Momentan ist der Marktpreis für Baumwolle wieder einmal sehr tief, wohingegen der Preis für Fairtrade-Bio-Baumwolle etwa 80% höher als der konventionelle Baumwollpreis liegt. Unsere Partner Hess Natur, Migros, Switcher, Marks & Spencer und weitere sind bereit, einen Aufpreis für Fairtrade-Bio-Baumwolle aus unseren Projekten in Westafrika und Zentralasien zu bezahlen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, gleich einen ganzen – oder noch besser mehrere – Container gehandelt werden sollten. Dies, damit das bereits teure Produkt nicht noch viel teurer wird. Ein 40-Fuss-Container enthält ca. 24 Tonnen Faserbaumwolle (ca. 110 Ballen à 215 Kilogramm). Dies entspricht 60 Tonnen Rohbaumwolle (durch die Entkernung – Wegnahme des Samens – verliert man 60% des Gewichts) und einer bearbeiteten Fläche von gut 100 Hektaren. Bei einer durchschnittlichen Fläche von 0,8 Hektaren pro Bauernbetrieb produzieren deutlich mehr als 100 Familien für einen Container, was mehr als 1000 Personen hilft.

IMG_1402 -Mit dem Kauf eines Containers zu Fairtrade-Bedingungen unterstützen wir also viele Menschen. Die Bio-Baumwollbauern in Mali planen für die Saison 2016/17, ca. 600 Tonnen Faserbaumwolle zu ernten. Dies entspricht 25 Containern, von denen wir uns über die Crowd-Ordering-Kampagne einen sichern wollen.

24 Tonnen Rohbaumwolle sind viel – und wenig. Wenn wir auf der Seite der Abnehmer, der Spinnerei, Weberei, Konfektion schauen, geht es wieder um Mindestmengen. Kleine Marken, zu denen auch Helvetas Fairtrade gehört, müssen immer Mindestmengen kaufen. Unsere Partner in Indien und der Partner der Crowd-Container-Aktion in Griechenland sind bereit, für uns ab 200 T-Shirts zu produzieren pro Farbe und Stoff. Meist müssen pro Farbe mindestens 500 T-Shirts bestellt werden. Das ist für viele kleine Brands zu viel.  Mit dem Slow Fashion Container wollen wir nun ein Vielfaches davon verkaufen.

Auch beim fairen Handel geht es also um Mindestmengen und ums Finden von Synergien (Economies of Scales). Wenn sich aber viele Akteure zusammentun, kann viel bewegt werden. So ergeben viele kleine Puzzleteile ein grosses Ganzes und mit einem einfachen Klick zum Bestellen zweier T-Shirts unter www.slow-fashion-container.ch kann ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel geleistet werden.

Autor

Tobias Meier

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