Ecopop: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Bernd Steimann, 01. Dezember 2014
Ecopop: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Endlich sind sie vorbei, die langen Monate des Abstimmungskampfs – und der Einsatz hat sich gelohnt. 74.1% Nein zu Ecopop lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das ist nicht nur ein klares Zeichen in der Migrationsdebatte, sondern auch ein überzeugendes Bekenntnis zur Schweizer Entwicklungszusammenarbeit, zum erfolgreichen Zusammenspiel von Bund und Partnerorganisationen wie Helvetas.

Bemerkenswert an diesem Abstimmungskampf war ja nicht nur seine schier epische Länge (im Prinzip seit dem 9. Februar), sondern auch der Schulterschluss fast aller politischen Kräfte von links bis rechts, grün bis schwarz, rot bis blau. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, bürgerliche Parteien, Gewerkschafter und Wirtschaftsvertreter stimmten in seltener Harmonie überein, dass Ecopop zwar berechtigte Fragen aufwirft, dazu aber keine tauglichen Antworten liefert. Zum Glück. So deutlich das Verdikt nun auch ausgefallen ist – angesichts der intensiv und hoch emotional geführten Debatte war dieses geeinte Auftreten ohne Zweifel matchentscheidend.

Interessant war unter anderem, dass sich auch jene Kreise für eine griffige Raumplanung, für eine Drosselung des inländischen Ressourcenverbrauchs, für flankierende Massnahmen auf dem Arbeitsmarkt oder für eine ausgewogene Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt haben, die sich sonst nur wenig bis gar nicht für solche Fragen erwärmen lassen. Mit Freude haben wir beobachtet, wie bürgerliche Kreise unser Argument „Bildung statt Kondome“ übernommen und sich im Brustton der Überzeugung für eine qualitativ hochstehende und wirksame Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt haben.

Schön wäre, wenn sie es auch über den 30. November 2014 hinaus tun würden. Ein Anfang ist immerhin gemacht. Letzte Woche hat das Parlament einen Antrag der Finanzkommission des Nationalrats abgeschmettert, der Landwirtschaft auf Kosten der Entwicklungszusammenarbeit 100 Millionen Franken mehr zukommen zu lassen – auch dank vielen Stimmen aus bürgerlichen Kreisen. Der Druck auf die Entwicklungszusammenarbeit aber bleibt hoch, denn mit der Halbierungsinitiative steht die nächste Offensive auf Solidarität und Unterstützung bereits vor der Tür. Wir werden die einen oder anderen Partner aus dem Ecopop-Abstimmungskampf bei Gelegenheit gerne an ihre Aussagen erinnern.

Ein Anfang ist immerhin gemacht. Als sich die Ecopop-Gegner gestern Sonntag im grossen Saal des Hotels Bern versammelten, gab es da zwar eine Trennwand zwischen linken und rechten Akteuren, denn einigen Gewerkschaftern war es trotz allem unwohl bei der Vorstellung, mit dem traditionellen politischen Gegenüber anzustossen und vor die Kameras zu treten. Doch es gab einen Durchgang, und der wurde von den meisten rege benutzt. Das lässt hoffen.

© Helvetas

 

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1 Kommentare zu «Ecopop: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel»

  1. Hans Arnold

    01. Dezember 2014 um 17:09

    „Ein klares Zeichen in der Migrationsdebatte“; nein und nochmals nein! Das ist jetzt politisch total missdeutet und wenn dieses Fluten unserer Volkswirtschaft nicht bald in geordnete Bahnen gelenkt werden kann, sehe ich nicht nur für HELVETAS schwarz, sondern überhaupt für den guten Willen zu Entwicklungshilfe. Wer am ertrinken ist, ist schlechter Rettungsschwimmer.

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