Diejenigen erreichen, die ausgelassen wurden

Jane Carter, 02. Juni 2015
Diejenigen erreichen, die ausgelassen wurden

Das Wetter in Kathmandu und Umgebung ist heiss und feucht, aber der Monsun hat noch nicht angefangen – ein Glück für die Menschen ohne Dach über dem Kopf und für die Bäuerinnen und Bauern, die noch auf Saatgutlieferungen zur Aussaat warten.

Wie im letzten Blog (Englisch) berichtet, haben es viele Familien im Melamchi-Tal in Sindhupalchok geschafft, sich selbst eine temporäre Unterkunft zu bauen. Trotzdem haben sich die Menschen in weniger zugänglichen Bereichen sehr über die Lieferung von Abdeckplanen gefreut. Weitere 920 Planen wurden zum Beispiel am Dienstag vergangener Woche (26. Mai) nach Helambu geliefert, am Kopf des Tals, wo Lieferungen von Hilfsgütern nur schleppend ankommen. Nun konzentrieren sich die Menschen wieder auf das Bestellen ihrer Felder.

Fairness sicherstellen

Die lokalen Gremien, die die korrekte Verteilung der Hilfsgüter sicherstellen, werden als weitgehend effektiv angesehen. Trotzdem gibt es einige Leute, die sich beschwert haben. Ob dies aus gutem Grund geschieht oder nicht, ist nicht immer einfach zu ermitteln. In den Gremien, die für Helvetas im Mittelpunkt stehen, wird darüber nachgedacht, eine formelle Beschwerdemöglichkeit einzuführen.

Zum Erstaunen der Buchhalter hat sich die Zahl der Haushalte in der Region anscheinend seit dem Erdbeben erhöht. Dies ist wohl nicht auf Grund von Fehlern oder fehlenden Einträgen in der ursprünglichen Liste geschehen. Es scheint wahrscheinlicher, dass einige Familien aus Kathmandu in das Tal zurückgekehrt sind und sich Grossfamilien auf Grund des Platzmangels aufgeteilt haben – und jetzt als zwei Familien zählen. Auch wenn diese Vorgänge verständlich sind, bereiten sie einige Schwierigkeiten beim Sicherstellen einer fairen Verteilung.

Die letzten zu bauenden Unterkünfte

Es ist nachvollziehbar, dass die Familien mit vielen arbeitsfähigen Mitgliedern es geschafft haben, sich selbst die besten Unterkünfte zu bauen. Die, die noch Probleme haben, sind Einzelpersonen ohne Hilfe der Familie – Frauen, deren Männer fehlen; die, die überlebt, aber ihre Familie verloren haben, und ältere Menschen ohne unmittelbare Angehörige.

Eine dieser Personen ist Mamaya Gajurel aus Duwachaur, eine Witwe im Alter von 73 Jahren, die unser Teammitglied Niraj Acharya vor kurzem getroffen hat. Da Mamaya eindeutig beunruhigt war und reden wollte, nahm sich Niraj die Zeit, ihr zuzuhören (wie oben abgebildet).

Er hat erfahren, dass Mamaya erst 8 Jahre alt war, als ihre Eltern ihre Hochzeit arrangierten – eine gängige Praxis zu jener Zeit. Sie brachte zwei Jungen zur Welt, aber beide starben noch als Säuglinge, wahrscheinlich weil Mamaya selbst noch eine Heranwachsende war. Ihr Ehemann starb kurz darauf selbst. Als junge, kinderlose Witwe war das Leben nicht einfach für sie. Neben dem offensichtlichen Trauma, verursacht durch ihren Verlust, wird eine Frau oft auch implizit für ein solches Unglück verantwortlich gemacht und als Pechbringerin angesehen.

Als sich das Erdbeben ereignete, lebte Mamaya allein, in einem Haus, das jetzt ein Haufen Schutt ist. Sie hat niemanden, um ihr zu helfen die Trümmer zu sortieren oder eine Plane abzuholen, geschweige denn eine Unterkunft zu bauen. Die Verteilstation ist eine halbe Stunde zu Fuss für eine gesunde Person, aber für sie ist es viel mehr. Menschen wie Mamaya benötigen ganz klar eine helfende Hand und einfach das beruhigende Wissen, dass sich jemand um sie kümmert.

Zurück in Kathmandu

Unser Büro in Kathmandu war am vergangenen Freitag (29. Mai) froh, zu erfahren, dass die Glückskette in Kürze die Mittel für Hilfsmassnahmen stellen wird. Die Aktivitäten werden in Partnerschaft mit Solidar durchgeführt und beinhalten den Aufbau von sofort verfügbaren Unterkünften, sowie dem Verteilen von WASH- (Wasser, Sanitär und Hygiene) Einrichtungen. Mehr über diese Pläne folgt später.

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Jane Carter

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