„Die Mongolei und die Schweiz haben einiges gemeinsam“

Kathrin Krämer, 05. Dezember 2014
„Die Mongolei und die Schweiz haben einiges gemeinsam“

Die Mongolei ist 37 Mal grösser als die Schweiz. Es leben dort aber nur etwa 3.1 Millionen Menschen – auf einem Quadratkilometer kommen sich nur gerade zwei Menschen in die Quere. Wirtschaftlich und geschichtlich haben sich die Länder bisher recht unterschiedlich entwickelt. Was also kann Sainkhuu Ganbaatar gemeint haben, als er gestern beim Mittagessen sagte: „die Mongolei und die Schweiz haben einiges gemeinsam“?

Sainkhuu ist Mitglied des mongolischen Parlaments und gemeinsam mit einigen weiteren Politikern eine Woche in der Schweiz auf Studienreise. Helvetas hat für sie viele verschiedene Treffen mit Parlamentariern und kantonalen Stellen organisiert. So haben die Parlamentarier die Möglichkeit, zu erfahren, wie die Schweiz funktioniert und wie Gemeinde, Kantone und der Staat ihre Aufgaben untereinander aufteilen.

Ich treffe die Gruppe zum Mittagessen in der Nähe des Zoos Zürich , den die Gruppe am Nachmittag besuchen will. Batbold Maruush ist als Übersetzer dabei. Seine Aufmerksamkeit vermindert sich etwas, als er erfährt, dass die FIFA ihren Hauptsitz direkt neben dem Zoo hat. Batbold ist schliesslich der erste Mongole überhaupt, der in den 1990er-Jahren von der FIFA als Schiedsrichter zertifiziert wurde. Ein Erinnerungsbild darf nicht fehlen.

Der Zoobesuch ist für die Gäste aufschlussreich, da die einzigartige Zusammenarbeit von Kanton und Stadt Zürich und Privatpersonen ein spannendes Beispiel dafür ist, wie öffentliche Hand und die zivile Gesellschaft gemeinsam einem Projekt zum Erfolg verhelfen können. Kanton und Stadt Zürich halten je 12.5% der Aktien, der Rest ist auf 7500 einzelne Aktieninhaber aufgeteilt.

© Helvetas / Simon Ming

Links aussen der Übersetzer und Fussball-Schiedsrichter Batbold, rechts aussen Sainkhuu

Nach der Diskussion zu diesen Themen steht ein Besuch in der Masoala-Halle an, vom beinahe frostigen Dezember geht es in die 23-grädige Tropenhalle. Hier erwachen die Lebensgeister der Politiker, die am Ende der anstrengenden Studienwoche voll von Eindrücken sind. Nun kommen die Kameras aus den Taschen und wir überbieten uns mit Tierentdeckungen.

© Helvetas / Simon Ming

Die Kameras sind gezückt! Wer findet die beiden Chamäleons?

Ich komme wieder mit Sainkhuu ins Gespräch. Was hat es denn nun mit den Ähnlichkeiten zwischen der Schweiz und der Mongolei auf sich? „Als sich die Mongolei zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Weg in die Unabhängigkeit machte, suchten wir uns ein Beispiel für ein kleines Land, das zwischen den Fronten grosser Mächte steht. Ein solches Land fanden wir in der Schweiz. Auch sie muss ihren Weg als kleine Nation finden.“ Die Mongolei ist zwar ein riesiges Land, aber seine Nachbarn sind noch grösser: die Mongolei grenzt im Norden an Russland und im Süden an China. Diese zwei Staaten sind die einzigen Nachbarn. Und da braucht man tatsächlich jede Menge guter Ideen, um seinen Platz behaupten zu können.

 

Mehr zur aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage der Mongolei  im NZZ-Artikel  „Der dritte Nachbar ist fern“ vom 31. August 2014.

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