Das Klima geht uns alle an

Simon Ming, 03. Oktober 2014
Das Klima geht uns alle an

Der Klimawandel ist ein Thema, das wir jetzt angehen müssen: Die Armen auf der Welt werden durch den Klimawandel noch ärmer, Entwicklungsfortschritte drohen vernichtet zu werden und letztlich müssen wir uns fragen, welche Welt wir unseren Kindern überlassen wollen. Über diese Punkte habe ich mit unserer Klimaexpertin Rupa Mukerji* gesprochen. 

 

Rupa, Naturkatastrophen und wärmere oder kältere Perioden haben die Menschen schon immer begleitet. Wann wird klar, dass es nicht mehr um natürliche Schwankungen geht, sondern wirklich um Klimawandel?

© HelvetasUnterschiede von Jahr zu Jahr hat es tatsächlich immer gegeben. Der Vergleich der Entwicklungen über Zeiträume von jeweils etwa 30 Jahren erlaubt es uns, grössere Veränderungen fest zu stellen. So haben wir die steigende Erderwärmung festgestellt, die dem Klimawandel zu Grunde liegt. Das kann extreme Wettersituationen zur Folge haben oder ganz langsam das Umfeld für Mensch und Tier verändern und die Lebenssituation bedrohen.

 

Von den Folgen des Klimawandels merken wir hier in der Schweiz bisher nicht viel.

Ja, denn diese sind vor allem in den Gegenden spürbar, wo die Ärmsten leben: in trockenen, heissen Gebieten, in grosser Höhe oder an Orten, wo sich Regen- und Trockenzeiten bisher abgewechselt haben. Die industrialisierten Länder haben den allergrössten Teil der Treibhausgase freigesetzt. Als erste und am stärksten leiden aber diejenigen Menschen unter den Folgen, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Sie kämpfen sowieso um die Deckung ihres Grundbedarfs an sauberem Wasser, genug zu Essen und Elektrizität. Obendrein kommt die Bewältigung des Klimawandels, und es ist offensichtlich, dass sie damit nicht fertig werden.

 

Welche Rolle soll die Schweiz zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels einnehmen? Oft hört man, dass beispielsweise China und die USA sowohl pro Kopf als auch in absoluten Zahlen wesentlich mehr CO2 ausstossen und dass deshalb diese Länder zuerst einmal etwas ändern sollten.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. Wir können den schwarzen Peter herumschieben, darüber streiten, wer wie viel Treibhausgase freisetzt und nichts machen. Die Alternative ist, Verantwortung zu übernehmen und das einzusetzen, was wir an Möglichkeiten haben. Natürlich ist es wichtig, dass wir hier in der Schweiz unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern – wir haben das nötige Wissen und die Mittel dazu. Dort hört es aber nicht auf: Die Schweiz hat wesentlich mehr Möglichkeiten. Sie kann Entwicklungsländern Technologien und Know-how zur Verfügung stellen.

 

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf die Arbeit von Helvetas und die der Entwicklungszusammenarbeit insgesamt? Vernichtet der Klimawandel die Fortschritte der letzten 40 Jahre?

Diese Gefahr droht tatsächlich. Wir beobachten das auf der ganzen Welt. In Bolivien und Peru sehen wir, wie die schrumpfenden Gletscher nicht nur das Leben der Menschen im Altiplano gefährdet, sondern die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Region bedroht.

In Afrika nehmen Konflikte wegen der austrocknenden Wasserquellen zu – es ist ein Kampf um schindende Ressourcen.

In Asien sehen wir, wie die Regenfälle und Trockenzeiten immer unberechenbarer werden. Das hat in grosse Ernteausfälle zur Folge.

Diese extremen Wetterverhältnisse werden immer häufiger. Die Menschen haben dadurch immer weniger Zeit, sich davon zu erholen und sich für die nächste Katastrophe vorzubereiten. So werden die Armen immer ärmer, und die Errungenschaften der Entwicklungszusammenarbeit stehen auf dem Spiel.

 

Was entgegnest du Skeptikern, die den Klimawandel anzweifeln?

Zuallererst: Macht die Augen auf. Es gibt jede Menge wissenschaftlicher Belege. Die Disziplin ist erst 30 Jahre alt, da gibt es natürlich noch Lücken. Es ist der Job der Wissenschaftler, uns darauf aufmerksam zu machen. Aber wir müssen auch hinhören.

Es gibt irreversible Konsequenzen des Klimawandels, wie aussterbende Tier- und Pflanzenarten oder Gletscher, die verschwinden. Da ist Schutz und Pflege angebracht, gerade solange die Zusammenhänge noch nicht geklärt sind.

Und schliesslich soll sich jede und jeder die Frage stellen, welche Welt wir unseren Kindern übergeben wollen. Wer sich die Naturkatastrophen und sozialen Konflikte im Zusammenhang mit dem Klimawandel anschaut, kann sich kaum mehr davon für seine Kinder wünschen.

 

In der letzten Ausgabe der Partnerschaft diskutiert Rupa Mukerji die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Weltklimabericht.

*Rupa Mukerji ist Geschäftsleitungsmitglied, Ko-Leitern Beratungsdienste und Klimaexpertin von Helvetas.

Simon Ming
Autor

Simon Ming

Online Editor

kommentieren Sie DIESen Beitrag

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zeichen verfügbar 600 Antworten abbrechen