Albanien: Wer recycelt, gewinnt!

Redaktion, 21. Dezember 2016

Dieser Blog Post ist zuerst auf EDA interaktiv erschienen. Die Veröffentlichung im Helvetas Blog erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch die DEZA.

Wer sich morgens in Bern auf den Weg zur Arbeit macht, dem präsentiert sich Abfall je nach Wochentag in den unterschiedlichsten Farben: Montags wird der Grünabfall in grünen oder braunen Tonnen bereitgestellt; dienstags und freitags sind es die blauen Säcke für Haushaltsabfall; mittwochs fein säuberliche Karton- und Papierbündel. Und dann sind da natürlich die festinstallierten Recyclingstationen für Glas, Metall und PET. Sicher ist, dass abends auf dem Nachhauseweg Abfallsäcke und Papierhaufen wieder aus dem Stadtbild verschwunden sind. Abfalltrennung in der Schweiz hat System und nur so ist es den Städten und Gemeinden möglich, die wachsenden Abfallberge zu bewältigen und zugleich Umwelt und Ressourcen zu schonen.

Mit ähnlichen Herausforderungen ist das heutige Albanien konfrontiert. Nach Ende der Diktatur stieg der Konsum rapide an und mit ihm die Abfallberge. Eine Strategie zum Umgang mit Abfall wurde dringend notwendig. Mit der Unterstützung der DEZA entwickelten die Gemeinden Pläne und Finanzierungsmodelle für die Abfallbewirtschaftung.

Davon profitieren auch Unternehmer wie Florian Borshi, der nach einigen Jahren im Ausland nun im Auftrag der albanischen Regierung für die Entsorgung des städtischen Abfalls in Shkodra zuständig ist. Und das Geschäft läuft gut! Dank der zunehmenden Bereitschaft der Bevölkerung, Abfall getrennt zu entsorgen, und den Bemühungen der Regierung, die dafür nötige Infrastruktur und Ressourcen bereitzustellen, gehören Abfall- und Recyclingunternehmen in Albanien heute zu einem florierenden Geschäftszweig. Sie bieten wichtige Arbeitsplätze für Menschen mit geringer oder keiner Ausbildung wie Lucja Lekendra.

Lucja hat früher auf einer wilden Mülldeponie gearbeitet, wo sie der Witterung und schädlichen Stoffen schutzlos ausgesetzt war. Heute ist Lucja in einem Recyclingunternehmen angestellt, mit sicheren Arbeitsbedingungen und Sozialversicherung.

Wer recycelt, gewinnt. Das gilt sowohl für die Bevölkerung, die zunehmend von abfallfreien Feldern und Wiesen, gesunden Böden und sauberem Wasser profitiert, als auch für die  Wirtschaft in Albanien; für Privatunternehmen ist die Abfallbewirtschaftung zu einem gewinnträchtigen Geschäft geworden. Möglich ist dies allerdings nur, wenn Gemeinden die nötigen Kompetenzen und Fähigkeiten haben, ihre Verantwortung in der Abfallbewirtschaftung wahrzunehmen. Da dies in vielen Teilen Albaniens noch nicht der Fall ist, bringt das DEZA-Projekt zur Gemeindeentwicklung in Albanien (DLDP) die notwendige Unterstützung. Gemeinden werden darin beraten, diese Dienstleistung effizient, umweltbewusst und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt zu erbringen.

Zwischen 2007 und 2012 haben rund 112’000 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinden Shkodra und Lezha davon profitiert. Ein Vorteil der Abfallbewirtschaftung ist, dass die Bevölkerung die Veränderungen aktiv mittragen muss. Indem sie den Abfall sachgerecht entsorgt, werden Verbesserungen in der Abfallbewirtschaftung sofort sicht- und spürbar. Und dank dem  wirtschaftlichen Wert von Abfall wird auch das Interesse privater Unternehmen sichergestellt. So entsteht mithilfe der nötigen Kompetenzen eine starke Allianz auf lokaler Ebene, die den Abfallbergen den Kampf angesagt hat.


Helvetas implementiert das DEZA-Projekt zur Gemeindeentwicklung in Albanien (DLDP), das sich auf die Unterstützung von Gemeinden in Nordalbanien konzentriert. Im Rahmen dieses Projekts werden die Gemeinden dabei unterstützt, qualitative und inklusive Dienstleistungen (wie Abfallentsorgung) für ihre Bewohner zu liefern.

Dies geht Hand in Hand mit der Stärkung von administrativen und Managementprozessen und Kapazitäten (Planung, Budgetierung etc.). Auf nationaler Ebene werden um bessere Rahmenbedingungen für Dezentralisierung und Demokratie gefördert.

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