5 Fragen an Fotograf Jean-Pierre Grandjean

Kathrin Krämer, 18. Juli 2016
5 Fragen an Fotograf Jean-Pierre Grandjean

Der Westschweizer Fotograf Jean-Pierre Grandjean reiste für seine aktuelle Fotoreportage in den letzten drei Jahren durch 12 Länder des Südens: Mali, Burkina Faso, Benin, Haiti, Guatemala, Bolivien, Madagaskar, Mosambik, Äthiopien, Kirgistan, Nepal und Laos. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt mit Helvetas sind eindrückliche Bilder entstanden, die zurzeit unter dem Titel „Destins en mains“ am Genfer Quai Wilson ausgestellt sind.

 

Herr Grandjean, Sie haben als Fotograf während drei Jahren 12 Entwicklungsländer bereist. Was ist den Ländern gemeinsam?
Die vielen Frauen und Männer, die ihre Lebensumstände aktiv verbessern wollen. Tag für Tag setzen sie ihre ganze Willens- und Schaffenskraft ein, um mit ihrer Familie ein Leben in Würde führen zu können. Sie haben mir stolz das Ergebnis ihrer harten Arbeit präsentiert. In diesem Sinne sind mir in allen Ländern, die ich bereist habe, dieselben Menschen begegnet.

Sie alle nehmen ihr Schicksal wortwörtlich in die Hand. Deshalb reifte in mir 2014, nach meiner ersten grossen Reise in Westafrika, die Idee, ihre Hände zu porträtieren. Sie sind schön und voller Informationen. Die Hände eines Menschen können ebenso wie sein Gesicht die Geschichte seines Lebens erzählen.

© Jean-Pierre Grandjean / Helvetas

Was war beim aktuellen Projekt für Sie anders als bei Ihren früheren Fotoarbeiten?
Der grösste Unterschied war, dass ich nicht wie sonst im Voraus die Menschen aussuchte, die ich zur Realisierung meiner Arbeit fotografieren würde. Hier schlugen mir jeweils die lokalen Helvetas-Mitarbeitenden verschiedene Personen aus einem der Hilfsprojekte vor. Meine Fotoarbeit entstand also nach und nach, aufgrund dieser persönlichen Begegnungen.

Darüber hinaus war speziell, dass ich zum ersten Mal digital und in Farbe fotografierte. Bis zum Beginn dieser Fotoarbeit war ich ein „analoger“ Fotograf, der es gewohnt war, seine Emotionen auf einer Schwarz-Weiss-Filmrolle aufzuzeichnen. Es war eine Herausforderung, Digitalbilder zu kreieren, die meinen eigenen Qualitätsansprüchen genügten.

Ich wollte die Menschen in ihrer Lebenswelt zeigen und fühlte mich deshalb verpflichtet, in Farbe zu fotografieren. So war es möglich, die ganze Frische und Aktualität festzuhalten. Und passend, um dem Betrachter die ungeschminkte Realität des Lebens im Süden zeigen zu können.

Wie sind Sie auf die Menschen zugegangen?
Ich musste vor allem die virtuelle Barriere zwischen mir und den von mir porträtierten Menschen überwinden. Ich war der Fremde, der von weit her in ihr Dorf gekommen war, um Momente einer Existenz festzuhalten, das löste bei manchen Furcht aus.

Es war ganz wichtig, dass ich mich ihrem Rhythmus anpasste und ihrer Kultur. Die Schüchternheit war besonders gross bei Frauen aus tieferen Kasten oder muslimischen Frauen. Sie waren es überhaupt nicht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, und dann noch alleine vor einer grossen Kamera, mit einem Mann, der es wagte, ihre Hände zu berühren auf der Suche nach der richtigen Platzierung der Finger – das hätte sie schnell in grosse Verlegenheit bringen können.

© Jean-Pierre Grandjean / Helvetas

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Helvetas erlebt?
Ich möchte gerne als Zeichen der Dankbarkeit meinen Hut ziehen vor den Helvetas Mitarbeitenden in den Ländern, insbesondere vor den Chauffeuren. Sie haben mich durch den Busch gefahren und über Schotterwege, auf die Gebirgskette der Anden, über den Himalaya, durch Bachbette und überhaupt an die unwahrscheinlichsten Orte. Und sie brachten es fertig, dass ich bei mehr als 18‘000 Kilometern Fahrt in 12 Ländern immer sicher und zuverlässig an meinen Treffen ankam.

Zuletzt möchte ich noch allen wunderbaren Menschen und ihren Familien danken, die ich porträtieren durfte und deren Bilder nun in der Ausstellung „Destins en mains“ zu sehen sind.

Besuchen Sie die Ausstellung „Destins en mains“: Sie ist noch bis am 25. Juli und dann nochmals vom 25. bis 30. August 2016 unter freiem Himmel, am schönen Quai Wilson in Genf zu sehen.

Mehr über den Fotografen Jean-Pierre Grandjean (auf Französisch) finden Sie auf unserer französischen Website.

Das obenstehende Interview wurde aus dem Französischen übersetzt, wodurch leichte Abweichungen vom Originalton möglich sind.

Autor

Kathrin Krämer

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2 Kommentare zu «5 Fragen an Fotograf Jean-Pierre Grandjean»

  1. Veronika

    23. Juli 2016 um 14:28

    Wunderbare Bilder, bitte auch in der Deutschschweiz zeigen! In Zürich, oder Zug oder Luzern oder Bern würden sie sich super machen!!

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    • > Liebe Veronika, danke für deine Rückmeldung! Wir sind dabei, die Möglichkeiten zu klären und hoffen, dass wir die Ausstellung auch in der Deutschschweiz zeigen können. Hast du unseren Newsletter abonniert? Damit würdest du rechtzeitig von der Ausstllung erfahren. https://www.helvetas.ch/de/news/enews/
      Gruss, Simon / Helvetas

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